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S21 – das Horror – Gefängnis in Phnom Penh

S-21 – das Horror – Gefängnis der Roten Khmer

Wer Kambodscha bereist muß sich zwangsläufig auch mit der Geschichte dieses geschundenen Landes auseinandersetzen. Dazu gehören die „killing Fields“ und das Tuol-Sleng-Genozidmuseum , das sich heutzutage im ehemaligen Gymnasium  und späteren Gefängnis S-21 befindet. Hier war für die Eingelieferten der Tod vorprogrammiert. Es diente zur planvollen Vernichtung tausender Kambodschaner in der Zeit des Regimes der Roten Khmer.

Bitte beachten: dieser Bericht enthält Bilder und Beschreibungen, die nicht unbedingt für Kinderaugen geeignet sind.

Das Gefängnis S-21 und das Tuol-Sleng-Genozid-Museum in Phnom Phen

Das Gefängnis S-21 und das Tuol-Sleng-Genozidmuseum in Phnom Penh

Lageplan des Gefängnis S-21 und des Tuol-Sleng-Genozidmuseums in Phnom Penh

Lageplan des Gefängnis S-21 und des Tuol-Sleng-Genozidmuseum in Phnom Penh

Wo liegt S-21 und das Tuol-Sleng-Genozidmuseum

Unter den Koordinaten 11° 32′ 58″ N und 104° 55′ 42 O befindet sich das Gelände des alten Gymnasiums von Phnom Penh und das Tuol-Sleng-Genozidmuseum. Es ist nicht weit vom Stadtzentrum entfernt. Jeder kennt hier diesen Ort und so ist die Anfahrt ohne Probleme zu bewältigen.

Öffnungszeiten täglich 8:00 – 17:00 Uhr

Webseite auf Khmer und in Englisch: Tuol Sleng Genozid Museum

Die Geschichte der Gebäude von S-21

Wenn man sich heute durch das Gelände bewegt, dann kann man sich schwer vorstellen, dass hier einmal das fröhliche Kreischen und Spielen von Kindern stattfand. Das Gymnasium entstand in den 60iger Jahren des 20. Jahrhunderts unter der Regierung Lon Nols und hieß zu dieser Zeit Tuol Svay Prey, später unter König Sihanouk hieß es Ponhea Yat.

Historische Aufnahme vom Schulbetrieb - Foto im Tuol-Sleng-Genozidmuseum Phnom Penh

Historische Aufnahme vom Schulbetrieb

Schultafel im Gefängnis S-21 - Foto im Tuol-Sleng-Genozidmuseum Phnom Penh

Schultafel im Gefängnis S-21 in einem ehemaligen Klassenraum

Diese Schultafel ist das letzte originale Überbleibsel aus der Zeit, in der die Gebäude noch als Schule genutzt wurden.

Alles änderte sich aber im April 1975 und in den folgenden Jahren. (Siehe auch: Die Roten Khmer) Aus der Schule wurde ein Gefängnis, das den meisten unter der Bezeichnung S-21 bekannt ist. Es war eines von fast 200 Gefängnissen im „Demokratischen Kampuchea“. Hier begannen das Grauen und die Qualen der Folter von denjenigen Menschen, die von Nachbarn und sogar von eigenen Familienmitgliedern angezeigt wurden. Auf Anordnung vom „Bruder Nummer 1“ Pol Pot wurde hier gefoltert und gequält. Sterben durften die Menschen hier aber nicht!

Geleitet wurde das Gefängnis ironischerweise von einem früheren Schullehrer,  Kaing Guek Eav, der unter dem Namen „Duch“ bekannt ist.

Nach der Befreiung Kambodschas von den Roten Khmer entstand hier das Tuol-Sleng-Genozidmuseum.

Das Folterzentrum S-21 in Phnom Penh

Die Zahlen schwanken: zwischen 15000 und 20000 Menschen sollen hier inhaftiert gewesen sein. Frauen, Männer, Alte und Kinder, sie alle wurden hier gedemütigt, gefoltert und letztendlich sind fast alle gestorben.

„Der Zweck der Folter war es Antworten zu erhalten. Wir machten das nicht aus Spaß. Wir mußten sie verletzen, damit sie schnell antworten. Eine weitere Methode ist sie seelisch zu zerbrechen, ihnen den Willen zu nehmen.“ Das ist ein Auszug aus dem Verhörhandbuch des
S-21.

Bild eines an das Bett gefesselten Gefängnisinsassen im Gefängnis S-21 - Foto im Tuol-Sleng-Genozidmuseum Phnom Penh

Bild eines an das Bett gefesselten Gefängnisinsassen

Die Qualen, die den Menschen zugefügt wurden, waren vielfältig, Das Quälen mit Stromschlägen, das beinahe Ertränken, Schläge und das Verabreichen von Säure waren nur ein Teil der unmenschlichen Folterungen. Die Inhaftierten sollten nicht sterben, sondern ein Geständnis unterschreiben und mindestens 12 Weitere aus ihren „subversiven Reihen“ benennen. Aus lauter Verzweiflung unterschrieben viele die Geständnisse und verrieten Nachbarn und Familienangehörige, auch wenn diese unschuldig waren. Generell wurden Menschen inhaftiert wie zum Beispiel: Intellektuelle, Menschen mit Fremdsprachenkenntnissen, Personen, die sich gegen die Ankar, also die politische Führungsriege von „Demokratischen Kampuchea“ aufgelehnt hatten und gegen Ende der Roten Khmer wurden hier sogar die eigenen Leute eingesperrt.

Die Inhaftierten dienten auch als „Blutreserve“ für die Soldaten der Roten Khmer, bis sie durch den Blutverlust verstarben.

Die Bilder der Inhaftierten

Fast pedantisch wurde jeder ankommende Häftling erfasst. Dazu gehörte auch das Fotografieren der Menschen. Jeder erhielt eine Nummer und so entstand eine vollkommene Dokumentation des Grauens. Diese Bilder werden heute in einer Sammlung ausgestellt und wenn man hier entlang geht wird einem die Grausamkeit des Handelns durch die Roten Khmer erst richtig bewusst!

Aufnahmefoto eines jungen Mädchens - Foto im Tuol-Sleng-Genozidmuseum Phnom Penh

Aufnahmefoto eines jungen Mädchens

Fotowand mit den Fotografien der Inhaftierten vom Gefängnis S-21 - Foto im Tuol-Sleng-Genozidmuseum Phnom Penh

Fotowand mit den Fotografien der Inhaftierten

Die Foltermethoden im Gefängnis S-21

In weiteren Räumen befinden sich auch die Eisenbetten, auf denen die Gefangenen gefoltert wurden. Noch heute befinden sich auf den Fliesen des Bodens angeblich die Blutreste der Gequälten. Die Gefangenen wurden mit dicken Fesseln aus Moniereisen an den Füßen gefesselt und an den Händen mit Drahtschlingen.

Verhörraum mit Folterbett - Foto im Tuol-Sleng-Genozidmuseum Phnom Penh

Verhörraum mit Folterbett aus Eisen

Originalaufnahme aus dem Gefängnis S-21 - Foto im Tuol-Sleng-Genozidmuseum Phnom Penh

Originalaufnahme aus dem gleichen Raum

Gefangener mit Fußfesseln aus Moniereisen - Foto im Tuol-Sleng-Genozidmuseum Phnom Penh

Gefangener mit Fußfesseln aus Moniereisen

Die Foltermethoden der Roten Khmer

Die Foltermethoden waren grausam und vielfältig. Die Opfer wurden kopfüber in Tonkrüge gesteckt, die mit Wasser gefüllt waren, mit den auf dem Rücken zusammengebundenen Händen in die Höhe gezogen, was zu Gelenkbrüchen und schmerzhaften Muskelrissen führte – oder mit Schlägen auf die Weichteile oder den gesamten Körper drangsaliert.

„Wir waren so hungrig, das wir die Insekten schluckten, die von der Decke fielen“, sagte Vann Nath der die Grausamkeiten überlebte weil er gut malen konnte. Die Wachen hätten dann so lange auf ihn eingeschlagen, bis er das Tier wieder ausspuckte.

Foltergeräte auf dem ehemaligen Schulhof im Gefängnis S-21 - Foto im Tuol-Sleng-Genozidmuseum Phnom Penh

Foltergeräte auf dem ehemaligen Schulhof

Perverse Foltermethoden im Gefängnis S-21 - Foto im Tuol-Sleng-Genozidmuseum Phnom Penh

Perverse Foltermethoden im Gefängnis S-21 waren an der Tagesordnung

Auch hier in den Räumen des Tuol-Sleng-Genozidmuseum finden sich in mehreren Vitrinen Ausstellungsstücke der Gegenstände, mit denen gefoltert wurde.

Vitrinen mit Folterwerkzeugen und Bilder der Folterungen im Gefängnis S-21 - Foto im Tuol-Sleng-Genozidmuseum Phnom Penh

Vitrinen mit Folterwerkzeugen und Bilder der Folterungen

Die Fußfesseln aus Moniereisen im Tuol-Sleng-Genozidmuseum in Phnom Penh

Die Fußfesseln aus Moniereisen im Tuol-Sleng-Genozidmuseum

Der Zellentrakt

Zellentrakt im Gefängnis S-21

Zellentrakt im Gefängnis S-21

Die Insassen wurden in Einzelzellen untergebracht, die gerade mal 2 Quadratmeter Platz boten. Sie wurden an der Wand angekettet. Diese Einzelzellen wurden einfach aus Ziegelsteinen in den Klassenräumen gemauert. Als Toilette dienten amerikanische Munitionskästen.

Einzelzellen im Gefängnis S-21 - Foto aus dem Tuol-Sleng-Genozidmuseums in Phnom Penh

Einzelzellen im Gefängnis S-21

Munitionskasten diente als Toilette

Munitionskasten diente als Toilette

Es war den Häftlingen verboten zu lachen, zu weinen, ohne Ansprache oder Aufforderung zu sprechen oder anderweitig zu kommunizieren. Bei Zuwiderhandlung folgte die sofortige Bestrafung durch Schläge und Elektroschocks, bei denen die Häftlinge nicht schreien durften – sollten sie es doch tun, verlängerte sich die Tortur.

Wegen der schlechten Hygiene waren Läusebefall und Krankheiten an der Tagesordnung. Zuerst wurden an dieser Stelle auch Menschen erschlagen, später jedoch wurden die Gefangenen dann zum Hinrichtungsgelände nach Choeung Ek, den sogenannten „killing fields“ verbracht.

Ein der größten Grausamkeiten waren die Behandlung von Kindern. Sie wurden von den Eltern abgesondert und getötet. Die Kinder waren die unschuldigsten Opfer dieses Genozids. Es gab eine Anordnung von der Anka, der Führungsriege der Roten Khmer: wenn ein Mitglied einer Familie ins Gefängnis kam, so wurde die ganze Familie inhaftiert und getötet. Damit wollte man verhindern, dass sich Familienmitglieder oder in späteren Jahren die Kinder rächen würden.

Eines der bedrückendsten Fotos zeigt ein junges Mädchen mit ihrem Baby. Dieses Kind wurde nach der Überlieferung im Gefängnis geboren! Beide haben es nicht überlebt!

Mädchen mit ihrem Baby im Gefängnis S-21 in Phnom Penh

Mädchen mit ihrem Baby

Kinder werden den Müttern entrissen im Gefängniss S-21 - Bild aus dem Tuol-Sleng-Genozidmuseums in Phnom Penh

Die Kinder werden den Müttern entrissen

Die Befreiung der Gefangenen im S-21

Vietnamesische Soldaten befreiten am 7. Januar 1979 die letzten Überlebenden im Gefängnis S-21. „Duch“, der Leiter des Gefängnisses, befahl noch kurz vor der Befreiung die Tötung aller Insassen. Es waren noch 14 Menschen, die kurz vor der Befreiung sterben mußten. Nur 4 Kinder hatten sich unter Wäschebergen versteckt und überlebten.

Einer der Überlebenden war der Maler Vann Nath, dessen Bilder in den Räumen ausgestellt sind. Er konnte nur das Grauen überleben, weil er sehr gut malen konnte. So musste er Bilder vom „Bruder Nummer 1“ oder von anderen hohen Persönlichkeiten der Roten Khmer anfertigen. Andere Werke von ihm zeigten die grausamen Geschehen im Gefängnis S-21 und auf den „killing fields“.

Bei der Befreiung fand man 4186 schriftliche Geständnisse, 6226 Biografien und 6147 Fotografien.

Das Gefängnis ist heute UNESCO Weltkulturerbe.

Der Raum mit der Gedenkstupa

Als letzte Station des Rundgangs kommen wir in dem Raum des Tuol-Sleng-Genozidmuseums mit der Gedenkstupa für all die getöteten Menschen an. In den Vitrinen sind die Totenschädel von hier ermordeten Menschen ausgestellt. Hier sollte man ruhig innehalten und sich des Irrsinns bewußt werden zu welchen Grausamkeiten Menschen gegen Menschen nicht nur damals fähig waren –  und wir alle sollten daran denken, wie kostbar Freiheit und ein funktionierendes Justizsystem für uns Menschen sind.

Gedenkstupa im Gefängnis S-21 und im Tuol-Sleng-Genozidmuseums

Gedenkstupa im Gefängnis S-21

Resume des Besuches vom Gefängnis S-21

Es ist beeindruckend diesen schrecklichen Ort der Geschichte zu besuchen. Gerade an den Fotowänden, in den Räumen mit den Folterbetten aus Eisen und den Räumen mit den Folterwerkzeugen bekommt man schon ein ungutes Gefühl. Ich habe mich gefragt, ob es richtig sei aus diesem schrecklichen Ort ein Museum zu machen, in dem dieser Wahnsinn so ausführlich dargestellt wird. Doch, es ist richtig, denn nur so wird Geschichte, die vergangen ist, anschaulich gemacht! Nur so begreift man das Elend und die unsäglichen Schmerzen, die das Volk des heutigen Kambodscha durchlebt hat.

Noch ein Hinweis für Eltern, die Kinder in das Tuol-Sleng-Genozidmuseum  mitnehmen wollen!
Es ist sicherlich einerseits gut, wenn Kindern auch die Grausamkeiten dieser Welt aufgezeigt werden. Alle Eltern sollten aber andererseits gut überlegen, ab welchem Alter sie solche Bilder  den Kindern zumuten können. Sollten sie tatsächlich die Kinder mitnehmen, so ist es ein Muß (!) die Kinder auch ausführlichst zu betreuen und immer für Erklärungen bereit zu sein. Leider hatte ich bei meinem Besuch im Tuol-Sleng-Genozidmuseum Kinder, die ohne direkte Begleitung durch die Räume sprangen und sich nicht entsprechend benahmen. Dadurch fühlten sich andere Besucher gestört und auch ich empfinde es nicht als richtig diese Erinnerungsstätte in einen Kinderspielplatz zu verwandeln.
Ich freue mich über Eure Kommentare, Berichte von eigenen Besuchen und Anregungen für weitere Themen!

Euer Reiner

In einem weiteren Post besuchen wir die Killing Fields – nahe Phnom Penh in Kambodscha

 

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3 Kommentare zu “S21 – das Horror – Gefängnis in Phnom Penh

  1. cherry570124

    ich war im Jänner 2019 dort und es ist emotional nur schwer verkraftbar, was man dort zu sehen bekommt. Das ist eine Dimension von menschlichen Abgründen, die ich zuvor nur bei einem Besuch von einem KZ-Lager aus der Nazi-Zeit gesehen habe.

  2. Christian Siegeler

    Hallo,
    Mein Name ist Christian und lebe seit 10 Jahre in Thailand/Isaan. Zwischen 2006 – 2009 war ich alks Backpacker in Asien unterwegs , immer so 2 – 3 Monate , dann wieder zurueck nach D und einige Monate wieder nach Asien. 2008 besuchte ich auch Kambodscha (Phnom Penh. Sihanoukville) und auch Killing Fields ! In Erinnerung habe ich noch , durch den Regen wurde der Boden gelockert und Knochensplitter kamen zum Vorschein , Kleiderfetzen ! Das Museum habe ich nicht besucht, da dies mir unbekannt war. ich konnte jedoch in einer der Seitenstrassen in Phnom Penh „schwarz gedruckte Buecher“ kaufen , welche die Lebensgeschichten Kambodschaner schilderte. Auch Thailand hat sich gegen diese Kambodschaner schuldig gemacht, welche flüchten konnten u in Thailand um Asyl suchten.Es sind nichtwenige durch Grenzsoldaten erschossen, ausgeliefert u misshandelt worden. Dies war auch mit den Bootpeople, den gefluechteten Vietnamesen , nicht anders . Diese wurden von thailändischen Piraten (Fischer u.a.) ausgeraubt und auch ueber Bord geworfen und ertrinken lassen. Ich sage immer , es gibt keinen Gott ! Wenn es einen Gott gaebe wuerde er dieses Elend auf Erden , seit es diese Erde gibt , nicht zulassen !

Ich freue mich über Eure Meinungen, Hinweise und sachlichen Kommentar!

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