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Die Bergvölker im Norden von Thailand

Bergvölker im Norden Thailands eine neutrale Betrachtung

Warum gleich am Beginn des Artikels über die Bergvölker im Norden Thailands der Hinweis über die neutrale Betrachtung? Nun, sobald die Worte “ Bergvölker in Thailand“ fällt kommt es zu solchen Äusserungen wie: Menschen-Zoo, nur Touristen Nepp und mafiöse Strukturen. Ich möchte hier auf die unterschiedlichen Volksgruppen, deren Herkunft, auf die Kulturen und ihre Geschichte eingehen. Ich werde versuchen objektiv und fundiert Informationen zu liefern, die die frühere und heutige Situation beschreiben.

Bergvölker Langhalsfrau mit Reiner in Nordthailand

Bergvölker Langhalsfrau mit Reiner

Etwa nur 10% der jährlichen Besucher Thailands zieht es in den Norden des Königreiches. Die meisten Touristen zieht es nach dem üblichen Zwischenstopp in Bangkok recht schnell in den Süden zu den Stränden und zum Meer. Nur wenige interessieren sich für die ethnischen Minderheiten und deren Leben in Thailand. Die Bergvölker im Norden Thailands sind fast alle Animisten und leben am Existenzminimum. Ich möchte hier Verständnis und Neugier auf diese Volksgruppen wecken und Euch ermuntern, bei Eurem nächsten Thailand Besuch, sich etwas näher mit diesem Thema zu beschäftigen.

Welche Volksgruppen gibt es?

Es gibt sie überall auf dieser Welt, die kleinen oder größeren Gruppen von Menschen, die als Minderheiten bezeichnet werden. Sie unterscheiden sich nicht nur durch eine unterschiedliche Herkunft, Nationalität, sondern auch durch andere Sprachen, Religionen und Kultur zu dem Staat , in dem heute ansässig sind. Bei meiner Betrachtung werden folgende Volksgruppen vorgestellt werden:

Karen (Kariang, Yang) Akha (Kaw)
Lisu (lisaw) Lahu (Mussur)
Hmong (Meo) Yao (Mien)
Palong Lahi
Lawa Thin
Khamu Mlabri

Ergänzt durch Links wird es später möglich sein sich direkt über die einzelnen Volksgruppen zu informieren.

Die aufgezählten Ethnien werden in zwei Gruppen unterschieden:

  1. Die sono – tibetische Gruppe
  2. Die austro – asiatische Gruppe

Die Erklärung dieser Einteilung erfolgt ebenfalls im weiterführenden Artikel

In der Literatur und in dem Sprachgebrauch trifft man häufig auf die englische Bezeichnung Tribes oder Hilltribes, dies bedeutet einfach Bergstämme.

Allgemeine Informationen über die Bergvölker in Thailand

Da viele dieser ethnischen Gruppen staatenlos sind haben sie in den unterschiedlichen Aufenthaltsländern keinerlei Rechte und werden nur geduldet oder oftmals in einigen Ländern verfolgt. Die Vereinten Nationen (UN) versuchen schon seit langer Zeit ein globales Recht für Minderheiten in den einzelnen Ländern zu erwirken. Leider ist es bis heute nicht gelungen eine gemeinsame Regelung zu verabschieden, zu groß waren und sind die Ängste der Industrieländer die Kontrolle über Rohstoffe und Bodenschätze zu verlieren.

Häuser der Hilltribes, der Bergvölker in Nordthailand

Häuser der Hilltribes, der Bergvölker in Nordthailand

Nicht nur in Thailand leben diese Minderheiten. Laos hat 120 ethnische Gruppen. Bergvölker leben auch in Laos, Vietnam, Kambodscha, Malaysia, Myanmar, China und Indien. Sehr häufig in den vollkommen abgelegenen und unzugänglichen Gebieten diese Länder.

Woher kommen die Bergvölker in Thailand

In einigen Ländern des Südostasiatischen Kontinents leben diese ethnischen Gruppen schon seit Beginn der kollektiven Erinnerung. In Thailand erscheinen die Hilltribes, die Bergvölker erst nach langen Wanderschaften und nach Überwindung von großen Strecken. Seit etwa 800 Jahren nehmen die La Nah oder Yuan-Völker die tiefer gelegenen Teile des heutigen Thailands in Anspruch. Die Wanderungen der Bergvölker erfolgten zum größten Teil aus 3 größeren Zugrichtungen. Aus dem Gebiet des heutigen Myanmar stammen die Karen und aus dem Gebiet der Shan-Staaten im Nordwesten kamen die Lisu, Lahu und Akha. Aus Nordlaos stammen die Mien und die Hmong.

Generell kamen diese Einwanderer aus dem Südwesten und Süden des chinesischen Gebiets über Laos, Vietnam und Burma. Diese Zuwanderung in das heutige Thailand kam in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zum Erliegen. Grund für diesen Stop war, dass es keinen zur Besiedelung geeigneten Raum mehr in Südostasien gab. Immer mehr Gebiete wurden und werden noch heute durch Industrialisierung, Tourismus und den Verdrängungskampf der Kulturen eingenommen und machen so eine kulturelle Ausbreitung der Bergvölker unmöglich. Durch dieses Geschehen steht der Untergang der kulturellen Vielfalt in den Bergregionen Südostasiens und der Niedergang der Bergvölker fest. Eine Kehrtwende oder Änderung der Gegebenheiten ist nicht in Sicht.

Die momentane Situation der Bergvölker in Thailand

Die Erforschung und die Bestandsaufnahme der Ethnien gestaltet sich als äußerst schwierig. Es gibt fast keine schriftlichen Überlieferungen aus der Geschichte der einzelnen Bergvölker. Das gemeinsame historische Wissen wird von Generation zu Generation mündlich weitergegeben. Kinder und Jugendliche lernen durch Zuschauen den Bau historischer Musikinstrumente. Töchter lernen schon früh von der Mutter die häuslichen Tätigkeiten so wie das Sticken, Spinnen, Weben, Schneidern und die Schmuckverarbeitung. Die kulturelle Identität leitet sich also aus den mündlichen Überlieferungen ab und nimmt dabei nichts von dem Land auf in dem sie Leben. Da sie kein Staat und kein Staatssystem anerkennen ist auch eine Integration kaum möglich.

Öpiumküche im Opiummuseum in Chiang Rai

Öpiumküche im Opiummuseum in Chiang Rai

Probleme im Zusammenleben mit den Bergvölkern

Die Chao Khao (Bergmenschen) wie die Bergvölker von den Thailändern genannt werden, leben in Thailand also nach geltendem Recht illegal. Damit sind Probleme und Übergriffe vorprogrammiert. Wenn eine mobile und staatenlose Gruppe von Menschen sich etwas aneignet kommt es schnell zu sozialen und tiefgreifenden Problemen. Viele der Bergvölker leben bei der Landgewinnung von der Brandrodung und diese steht in einem unvereinbaren Verhältnis zur heutigen Einstellung der Bodennutzung in Thailand.

Der strukturelle Aufbau des Kultursystems in den Bergdörfern ist auf das Dorf bezogen, was über die Grenzen des Dorfes hinausgeht, akzeptieren sie nicht. Die Bergvölker  und auch die im Süden lebenden Seenomaden gehören zu den ärmsten Bevölkerungsschichten in Thailand.

Da den Bergvölkern, wie auch allen anderen Ausländern, das Recht verwehrt wird Land zu erwerben gibt es nur wenige Möglichkeiten für diese Ethnien ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

Als 1932 das Ende der absoluten Monarchie in Thailand kam wurden die Bergvölker zwar toleriert, besser gesagt, einfach nicht wahrgenommen. Thailand hatte kaum Interesse seine nördlichen Grenzen genau zu definieren. Dadurch versuchte man an einen spätere Flächenerweiterung zu ermöglichen. Die Bergvölker wurden als keine Bedrohung für Thailand angesehen und so wurde einfach so getan als gäbe es sie nicht. In späterer Zeit war es den USA ganz recht, denn sie sahen Thailand als Puffer und Bollwerk  gegen die vom Kommunismus regierten Länder in Myanmar, Kambodscha, Laos und Vietnam an.

Opiumproduktion bei den Bergvölkern

Die Opiumproduktion der Bergvölker im Goldenen Dreieck von Myanmar, Laos und Thailand wurde zuerst still geduldet und im Vietnamkrieg gerne selber genutzt. Später pumpten die Amerikaner große Summen nach Thailand um den Anbau von Opium zu unterbinden. Informationen dazu bietet sehr ausführlich das Opiummuseum in Chiang Rai.

Opiumküche im Opiummuseum

Opiumküche im Opiummuseum

Die Bergregion Thailands wurde ausführlich und mit hohem Aufwand der Amerikaner erforscht. Die staatenlosen Bergvölker waren dem Geheimdienst der USA suspekt. Die Freiheitsliebe der Bergvölker und das nicht Anerkennen von Staatsgrenzen war für die Geheimdienstler eine gefährliche Kombination und schnell wurden die Menschen der Hilltribes als Spione der Kommunisten ausgemacht.

Am Ender der 80er Jahre sind die Bergvölker weiterhin eine unterrepräsentierte Randgruppe in Thailand, die in ihrer überlieferten Vergangenheit leben. Sie werden auf der anderen Seite mit der modernen Lebensweise tagtäglich konfrontiert. So erleben die Besucher der Bergdörfer heute Handys, moderne westliche Musikrichtungen, Fernsehen, Sat-Schüsseln auf den Hütten. Westliche Kosmetik, gepaart mit historischen Kleidungsstücken, Tänzen und Lebensweisen von hunderten von Jahren bilden heute das Bild in den Bergdörfern.

Der komplexe Status der Bergvölker in Thailand

Die Angehörigen der Hilltribes sind staatenlos, sie sind also keine Thailänder, auch wenn die Kinder dort in Thailand geboren wurden. Durch diesen Status haben sie keinen Rechtsanspruch auf Bildung, Arbeit, Grundbesitz, alters- oder gesundheitliche Versorgung. Auch zu den Wahlen sind sie nicht zugelassen und können so auch nicht aktiv ihre Situation verändern.

Das seit 2004 geplante Einbürgerungsgesetz soll auch, laut der UNESCO, die Menschenrechte garantieren. Dieses Thema erscheint in schöner Regelmäßigkeit immer vor den Wahlen bei den Parteien in Thailand. Da aber der Einfluß der Bergvölker gering ist, verschwindet es auch nach den Wahlen wieder von der politischen Bildfläche. Wann es eine Lösung für die Probleme der Minderheiten geben wird ist vollkommen ungewiss.

Durch diese Rechtlosigkeit können Bergvölker jederzeit von den Gebieten, auf denen sie leben, vertrieben werden. Bemerkenswert und aussergewöhnlich ist die Überlassung von Land durch seine Majestät König Bhumibol Adulyadej, Rama IX. der sich für die Bergvölker einsetzte und ihnen Land zur Verfügung stellte. Er war es auch derjenige, der mit seinem Königshaus den Bergvölkern ermöglichte den biologischen Kaffeeanbau zu beginnen. Dadurch konnten die Hilltribes den Opiumanbau aufgeben. Auch den durch Brandrodung entstandenen Schaden ließ er durch Aufforstung des Urwaldes beseitigen.

Landschaft im Nordthailand und Wohnort der Bergvölker

Landschaft im Nordthailand und Wohnort der Bergvölker

Der Einfluss der Tourismusindustrie auf die Bergvölker

Die Zeitung „Die Tageszeitung“ schrieb in der Ausgabe von 1996 unter der Überschrift „Nur Fernseher gibt es nicht“ unter einem Bild eines Karen-Mädchen mit den Messingringen um dem Hals: „Im Dorf der Long Neck Karen werden Mädchen wie Zootiere für den Tourismus ausgestellt.“

Damals hatte der in Bangkok ansässige Reiseveranstalter und der Engländer John Davis ein Projekt mit einer Loge und einem Bergvolk begonnen. John Davis war Lektor für anthropologische Studien und wollte einen touristischen Zugang schaffen, der qualitativ sehr hoch und zahlenmäßig sehr gering sein sollte. ( Aus dem Buch von J. Davis „A Trekker’s Guid to: The Hill Tribes of Northern Thailand) Davis sah durch den Tourismus die Möglichkeit das Selbstwertgefühl der Gemeinschaft der Bergvölker zu steigern und die kulturelle Identität zu fördern.

Verkaufshütten in einem Dorf der Bergvölker in Thailand

Verkaufsallee in einem Dorf im nördlichen Bergland von Thailand

Weiterhin liest man dort eine Stellungnahme der Dorfbewohner, die davon berichten, dass es ihnen besser geht und neue Arbeitsplätze geschaffen wurden. Der Souvenierhandel würde stark anwachsen. Sogar die Produktion und der Handel von Silberschmuck und Puppen wird nicht nur von Touristen gekauft, sondern es ist auch ein reger Handel auch zwischen den Bergdörfern entstanden ist. Mit den Einnahmen wurden dann Nähmaschinen und Werkzeuge angeschafft um den Wohlstand zu erhöhen.

Kommt der vermeintliche Wohlstand

in die Bergdörfer der Hilltribes?

Aber was geschah danach? Wie immer in unserer Gesellschaft erwacht die Gewinnsucht und der Futterneid. Der Thailand Tourismus hatte in all den kommenden Jahren große Zuwachsraten und so wurden auch die Trekkingtouren und die Verkaufsstände in den Dörfern immer mehr. Das Bedürfnis der Touristen nach „unberührter Exotik“ verbunden mit der Flucht aus der eigenen europäischen Realität auf Zeit, sorgte in den folgenden Jahrzehnten zum drastischen Anstieg der „Kulturtouristen“. Auf der Strecke blieben dabei die Bergvölker und deren Menschen. Die Gewinnsucht der Unternehmen wurde immer größer und so blieb den eigentlichen Akteuren, den Bergvölkern, nicht mehr viel von dem großen Kuchen. Das meiste Geld wird durch die internationale Tourismusindustrie eingenommen, gefolgt von den thailändischen Trekking Anbietern. Für die Bergvölker bleibt nur der kleine Rest der Verkäufe aus dem Souvenierhandel.

So ist es nicht verwunderlich das das Verhalten der Bewohner in den Dörfern, sich in Richtung der Touristenwünsche veränderte und das gezeigte Leben der Hilltribes nur noch als Show angesehen werden kann. Dabei sei aber auch festgehalten, wir als Europäer würden das wirkliche Leben der Bergvölker weder leben noch genießen können. Zu unterschiedlich sind Nahrung, Lebensgewohnheiten und der Kampf ums Überleben bei den Bewohnern in den Bergdörfern. Oder möchtet Ihr wirklich auf klares sauberes Wasser und Euer Handy verzichten?

Studien belegen den Untergang der Kulturen

Studien von Wissenschaftlern haben unwiderlegbar bewiesen, dass ohne Staatsbürgerschaft und die Anerkennung von Rechten die Bergvölker keine Möglichkeit haben sich aus der Armut zu befreien. So bleiben die kläglichen landwirtschaftlichen Erträge und der Gewinn durch den Biokaffee die einzigen „legalen“ Einnahmequellen. Durch den Verkauf von Produkten aus eigener Herstellung können die Dörfer wenigstens ein kleines Einkommen generieren. Der Preis dafür ist  Aufgabe ihres unabhängige Lebens in der dörflichen Gemeinschaft.

Die Kluft der thailändischen Gesellschaft zu den Bergvölkern wird immer größer und so ist es nicht verwunderlich, dass immer mehr Jugendliche die Dörfer und damit die Kultur verlassen, um gering bezahlte Jobs anzunehmen oder in der Sexindustrie Thailands ihr scheinbar neues Glück zu finden.

 

ANMERKUNG

Es gibt unterschiedliche Behauptungen, dass die Bergvölker alle die thailändische Staatsbürgerschaft haben. Dies würde bedeuten, dass die Kinder auch der Schulpflicht und der Militärpflicht unterliegen und ein privater Landerwerb möglich sei. Es wurden schon Schulen in den Bergregionen erbaut, in denen die Schüler die jeweilige Stammessprache, aber auch Thailändisch erlernen können. Auch in der gesundheitlichen Versorgung soll es schon Verbesserungen geben. Ich konnte aber diese Behauptungen bisher nicht überprüfen und werde mich daher in nächster Zeit genauer diesem Thema zuwenden und Euch auf dem Laufenden halten. Ich habe einen förmliche Anfrage an die Thailändische Botschaft in Berlin geschickt und warte auf Antworten auf meine Fragen. Gerne teile ich Euch dann den Stand zur aktuellen Situation der Bergvölker mit.

Euer Reiner

 

 

Alle Fotos und Texte unterliegen dem Copyright FOTO-KERNER Reiner Kerner 2018-2019

Sollten Sie Interesse an Fotos oder anderen Medien für Ihre Unternehmungen und Werbezwecke haben, oder einer Kooperation sich vorstellen können, wenden Sie sich bitte per E-Mail direkt an mich.

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2 Kommentare zu “Die Bergvölker im Norden von Thailand

  1. Sabienes

    Ich habe die Hilltribes vor 35 Jahren besucht und bin ein bisschen entsetzt über die Vermarktung dieser Menschen. Wobei – wenn ich mich recht erinnere, war diese Entwicklung damals bereits absehbar.
    Du hast es im Übrigen mit diesem Artikel in die Coolen Blogbeiträge der Woche geschafft! Sie erscheinen morgen, Donnerstag auf meinem Blog.
    LG
    Sabienes

    1. Reiner Kerner Autor des Beitrags

      Hallo Sabienes,

      vielen Dank für den freundlichem Kommentar und die Aufnahme auf das Blog von dir im Bereich „coole Blogbeiträge“ ab Morgen.
      Ich habe mir natürlich deinen Blog angeschaut und muss dir ein grosses Lob aussprechen. Ein sehr informativer Blog mit einer sehr grossen Bandbreite!
      Faszieniert hat mich sehr, dass Du schon seit 10 Jahren Bloggerin bist und noch immer dabei bist obwohl sich auf die Bloggerlandschaft so viel verändert hat.

      Für interessierte Leser daher eine Empfehlung : http://www.sabienes.de

      LG Reiner

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