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Die Gestik der Buddha-Darstellungen Teil 3

Die Handhaltung (Mudrās) und die Beinstellung sowie der Körperhaltung der Buddha-Abbildungen

Für einige Besucher Asiens und für mich besonders ist der Ausspruch einer Touristin in einem Tempel bemerkenswert: „Buddha sitzt immer im Schneidersitz“. Genauso interessant ist die liegende Position Buddhas ! Schläft er oder ist er schon tot ? Was sagen uns denn die Handhaltung und die Beinstellung Buddhas ? Nachdem wir im 1. Teil der Reihe „Gestik der Buddha-Darstellungen den Kopf mit all seinen Merkmalen betrachtet haben und im  Teil 2 die Körpermerkmale und die Kleidung erklärt haben, wollen wir uns in diesem 3. Teil den Handhaltungen (Mudrās) in der Darstellung der Buddha-Abbildungen sowie den Darstellungen der Fußbekleidung und den Fußstellungen widmen.

Die Handhaltung Buddhas (mudrās) in der künstlerischen Darstellung

In der Handhaltung Buddhas werden legendäre sowie historische Ereignisse im Lebenslauf Buddhas ausgedrückt. Durch diese „mudrās“ sollen die Gläubigen, betenden oder auch nur betrachtenden Menschen des Buddha-Abbilds an diese Ereignisse erinnert werden.

Die Unterscheidung der Mudrās, der Handgesten Buddhas:

  • Ermutigungsgeste (abhaya mudrā)
  • Gruß- oder Verehrungsgeste (añjali mudrā
  • die Niemals-Geste
  • Muß-Geste (ara-kāśa mudrā)
  • Erdberührungs-Geste (bhumisparśa mudrā)
  • Geste der Spitzenerleuchtung (bodhyagri mudrā)
  • Gebetgeste (dānamudrā oder dharmcara mudrā) auch Geste des Dharmarads
  • Geste des Andrehens des Rades
  • Geste des Sieges über Māra
  • Gütegeste (mārarivajaya mudrā)
  • Gleichnisgeste (upamā mudrā
  • Geste der höchsten Erleuchtung (uttarabodhi mudrā)
  • Kreuzungsgeste (vajrahūmkara mudrā)
  • Wunschgewährungsgeste (varada mudrā)
  • Darlegungsgeste (vitarka mudrā)
  • Erklärungsgeste ( vyākyãna mudrā)

Die sechs häufigsten Handhaltungen Buddhas:

Diese Mudrās sind in Thailand am häufigsten vertreten:

Die Ermutigungsgeste (abhaya mudrā)

Buddha wird in dieser Darstellung so abgebildet, dass er mit der Ermutigungsgeste alle Menschen willkommen heißt. Eine andere Beschreibung erfolgt aus der wörtlichen Übersetzung aus dem Sanskrit. Dort wird sie als „Geste der Furchtlosigkeit“ oder als „Geste des Schutzes“ bezeichnet.

Handhaltung Buddhas - stehend mit Ermutigungsgeste (abhaya mudrā)

Buddha stehend mit Ermutigungsgeste rechter Arm

Die Abbildung zeigt dabei die rechte, manchmal aber auch die linke Hand auf Höhe der Schultern, meist aber auf Höhe der Brust erhoben. Die Handflächen der erhobenen Hand zeigen nach vorn, dem Betrachter entgegen.

Die Handhaltung – Geste des Willkommen-Heißens entstand aus dem Gedanken, dass Buddha an aller oberster Stelle steht und so natürlich niemandem Ehrerbietung entgegen bringen muß. Somit wird Buddha auch niemals mit der sonst üblichen Willkommensgeste, in Thailand dem „Wai“ abgebildet. Diese Geste des „Wai“ wird in einigen asiatischen Ländern unter anderer Bezeichnung auch ausgeführt.

Eine Legende besagt, Buddha hätte übernatürliche Sinneskraft. Er könne mit dem übersinnlichen Auge (divyacasus) sehen was andere nicht sehen. Mit dem übersinnlichen Gehör (divyaśrota) könne er hören was andere nicht hören. Das schreckte viele Menschen ab, dass eine andere Person ihre Gedanken lesen könne. So entstand die Ermutigungsgeste, bei der Buddha den Menschen zeigt keine Angst haben zu müssen.

Diese Geste findet man bei sitzenden, stehenden und schreitenden Abbildungen.

Die Geste der Meditation (dhyani mudrā)

Der meditierende Buddha ist in der Wahrnehmung des unbegrenzten Raumes versenkt.

Aufrecht im Lotussitz verharrend ist Buddha in tiefster Meditation (samadhi). Die Hände liegen entspannt ineinander und die Daumen berühren sich . Diese Geste nahm Buddha sitzend unter dem Bhodi-Baum ein und erlebte die vier Stufen der tiefsten Versenkung. Der vierte, der höchste höchste Zustand des Seins, den man erst erst dann erreicht, wenn man sich nicht mehr darum bemüht.

Handhaltung Buddhas - die Meditationsgeste (dhyani mudrā)

Buddha mit der Meditationsgeste

Die Erleuchtungs-Geste (bhumisparsa mudrā) oder die Zeugenanrufung

Bei dieser Mudrā wird ausgedrückt wie Buddha unter dem Bodhi-Baum die Erleuchtung erlangte. Dabei berühren die Finger der rechten Hand auf dem Knie liegend die Erde, während die linke Hand mit dem Handrücken auf dem linken Knie ruht.

In der Legende versuchte Mara, der Gott  des Bösen, ihn in seiner Meditation zu stören. Mara schickte Buddha seine sehr schönen Töchter, um ihn abzulenken. Mit einem Blick Buddhas auf die Schönen verlosch ihre Schönheit. Als weiteren Versuch bot Mara Buddha die Weltherrschaft an. Buddha blieb standhaft und lehnte ab. Als das alles nicht fruchtete forderte Mara ihn auf sein Leben zu beenden und jenen Zustand einzunehmen, den sein Geist schon erreicht hatte. Auch damit gelang Mara nicht der gewünschte Erfolg. Als Letztes wollte Mara Buddha davon überzeugen, dass er nicht mal Anrecht auf den Boden hätte auf dem er saß! Buddha aber bestand auf diesen Platz den er durch viele gute Taten erworben habe. Er rief die Erde zum Zeugnis auf, indem er mit der rechten Hand den Boden berührte.

Handhaltung Buddhas - die Erleuchtungsgeste (bhumisparsa mudrā)

Buddha mit der Erleuchtungs-Geste mit Thailänderin

Die Geste der Drehung des Rades oder auch Predigergeste (dharmachakra-mudrā)

Diese Geste drückt den Augenblick aus, in dem Buddha im Gazellenhain von Banares das Rad der Lehre durch seine Predigt in Bewegung gesetzt hat. Bei dieser Mudrā sind die beiden Hände in Brusthöhe. Die rechte Handfläche zeigt zum Betrachter und die linke zeigt den Handrücken. Beide Hände berühren sich und bilden einen Kreis. Der linke Mittelfinger berührt den Daumen und den Zeigefinger der rechten Hand, die zum Kreis verbunden sind.

Buddha mit der Predigergeste (dharmachakra - mudrā)

Buddha mit der Predigergeste

Die Diskussionsgeste (vitarka mudrā)

Diese Handhaltung Buddhas charakterisiert den lehrenden Buddha. Dabei ist die rechte Hand mit der Handfläche zum Betrachter gewandt. Daumen und Zeigefinger bilden einen Kreis. Die anderen Finger sind abgespreizt. Erstaunlich ist bei dieser Mudrā, dass Jesus Christus auf byzantinischen Ikonen mit dieser Haltung ebenfalls abgebildet wurde.

Buddha mit der Diskussionsgeste (varada-mudra)

Buddha mit der Diskussionsgeste

Die Geste der Barmherzigkeit (Varada-Mudra)

Bei der Handhaltung Buddhas, der Varada Mudrā, zeigen sich beide Handflächen dem Betrachter entgegen. Die eine Hand weist nach oben, die andere nach unten. Diese, die nach unten weist, ist das Symbol für das Versprechen Buddhas allen Menschen den Weg zur Erlösung zu zeigen. Dabei ist die geöffnete Hand das Zeichen für das „Geschenk der Wahrheit“ das Buddha uns anbietet.

Die Fußbekleidung und die Beinstellungen von Buddha

Die Fußbekleidung von Buddha ist genau genommen bei allen Darstellungen nicht vorhanden. Buddha wird fast immer barfuß abgebildet. In den Mönchsorden war es die Regel barfuß zu gehen. Erst in späterer Zeit wurde es den Mönchen gestattet einfache Sandalen zu tragen.

Buddha-Darstellungen werden Barfuß erstellt

Die Buddha-Darstellungen werden Barfuß gezeigt

Die Darstellung der Beinstellungen

Im Südostasiatischen Raum findet man in der künstlerischen Buddha-Darstellung  vier  Beinstellungen bei den Abbildungen vor: sitzend, stehend, schreitend und liegend. Dabei nimmt die Sitzhaltung einen besonderen Platz ein, da es in dieser Haltung ganz unterschiedliche Beinstellungen gibt. Die Asanas, also die Beinstellungen, sind im südostasiatischen und ostasiatischen Raum nicht nur auf Buddha-Darstellungen beschränkt. Sie finden sich im Hinduismus, bei Tänzen und anderen religiösen Darstellungen wieder.

Die sitzende Beinstellung Buddhas

Hier ist am häufigsten der Lotussitz (padmāsane) anzutreffen.

Er wird auch als Donnerkeilsitz (vajrāsana) beschrieben. Bei dieser Sitzhaltung sind die Unterschenkel verschränkt. Der linke Fuß liegt auf dem rechten Oberschenkel und der angezogene rechte Unterschenkel kreuzt ihn . Dabei liegt der Fuß auf dem linken Oberschenkel.

Im Lotussitz sitzender Buddha

Im Lotussitz sitzender Buddha mit Doppelreihe der Lotusblätter

Einfacher gestaltet sich „das Ruhebett“ (paryańka). Hier liegt der rechte Fuß auf dem Oberschenkel des linken Beins.

Meistens sitzt Buddha bei diesen Haltungen auf dem Lotus-Thron (padsana). Dieser kann mit einer Reihe Lotusblätter geformt sein, ist aber auch in der Form mit einer Doppelreihe zu sehen.

Eine besondere Buddha-Darstellung ist das Abbild mit dem Affen und dem Elefanten. Hier sitzt Buddha in der uns vertrauten westlichen Sitzhaltung. Dabei sitzt Buddha erhöht auf einem Thron und seine Beine sind in der typischen europäischen Haltung, parallel und abgewinkelt, zu einander.

Sitzender Buddha mit Affe und Elefanten

Sitzender Buddha mit Affe und Elefanten

Die stehenden Buddha-Darstellungen

Häufig an Gebäuden oder Wänden stehend angeordnet finden sich Darstellungen des stehenden Buddha. Hier sind die Beine parallel zueinander und durchgestreckt angeordnet. Die Füße stehen ebenfalls parallel oder leicht gespreizt zu einander.

Stehender Buddha

Stehender Buddha

Die Beinstellung des schreitenden Buddha

Diese besonders schöne Darstellung bei Buddha-Abbildungen ist erst in der Sukhothai Epoche entstanden. Hier wird Buddha gezeigt, wie sein Körpergewicht auf einem, meist dem linken Bein ruht und das zweite Bein ist in der angewinkelten Stellung mit erhobener Ferse dargestellt. Dieses ist eine sehr elegante Beinstellung Buddhas.

Schreitender Buddha im Historischen Park Sukhothai

Schreitender Buddha im Historischen Park Sukhothai

 

Die liegende Haltung

Hierbei liegt Buddha auf der rechten Seite. In seltenen Ausnahmen auch auf der linken Seite. Buddha stützt mit dem angewinkeltem Arm und der Hand seinen Kopf. Der andere Arm liegt entspannt auf seiner Seite. Seine Schulter ruht bei dieser Darstellung auf einem dreieckigen Kissen. Die Fußsohlen zeigen oftmals die Ikonographie der 108 Merkmale eines „großen Menschen“. Bekannteste Darstellung sind die Fußsohlen des „Phra Nom“, des großen liegenden Buddhas im Wat Pho in Bangkok.

Liegender Buddha

Liegender Buddha

Der Fußabdruck Buddhas oder die Lotusblüte

Nachdem Buddha aus der Hüfte seiner Mutter heraus getreten war, also sozusagen geboren wurde, machte er sieben Schritte. Aus jedem dieser Abdrücke der Schritte erblühte ein Lotus.

Der Fußabdruck Buddhas

Der Fußabdruck Buddhas

Der Fußabdruck Buddhas ist als Abbild das Symbol für seine Anwesenheit. Dabei handelt es sich nicht um die physische Anwesenheit. Der „Fußabdruck Buddhas“ symbolisiert viel mehr, dass der buddhistische Gedanke hier und jetzt an diesem Ort war und ist. Diese Art der Abdrücke finden wir in allen buddhistischen Ländern vor.

Fußsohlen des Buddhas im Wat Pho

Fußsohlen des Buddhas im Wat Pho

Wer noch nicht die vorherigen Teile gelesen hat der findet sie hier:

Die Gestik der Buddha-Darstellungen Teil 1

Die Gestik der Buddha-Darstellungen Teil 2

Ich hoffe Euch hat dieser kleine dreiteilige Ausflug in die Darstellung Buddhas gefallen. Ich freue mich auf Eure Kommentare und Fragen unten in der Kommentarzeile.

Euer Reiner

 

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