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Jataka – die Geburtsgeschichte Buddhas

Jataka – Die 547 früheren Leben Buddhas

Jährlich sind tausende und werden auch wieder tausende von Touristen an den Buddha-Statuen und Abbildungen vom historischen Buddha vorbeigehen und sich kaum über die Wiedergeburt Gedanken machen. Mit einem Mal stolpert man über eine seltsame Abbildung oder liest auf einem Schild das Wort Jataka oder Jatakam. Nanu, was bedeutet dieses Wort, woher kommt es und was für einen Sinn hat es? Mir ging es ebenso und so fiel mir das Wort Jataka erstmal in Verbindung mit dem großen Chedi im historischen Park Sukhothai und dem umlaufenden Relief der Mönche auf. Ich las das Wort dort, wo jetzt die Mönche im Relief am Chedi zu finden sind, welche früher Abbildungen waren, die Jataka zeigten. Im Nu war meine Neugierde erwacht und so begann die Suche nach der Erklärung des Wortes „Jataka“!

Grafik einer Jataka Tafel im Wat Sie Chum in Sukhothai

Grafik einer Jataka Tafel im Wat Sie Chum © Ramkamhaeng National Museum

Jataka – Herkunft und Sinn des Wortes

Also schnell zu meinem großen Lexikon des Buddhismus gegriffen und dort fand ich folgende Erklärung:

Beginnen müssen wir mit dem „Sūtra-Pitaka“, übersetzt aus dem Sanskrit – „Korb der Schriften“. Es ist ein Teil des buddhistischen Kanons „Tripitaka“. In der Sanskrit Version  des „Sūtra-Pitaka“ besteht dieser Korb aus vier Sammlungen und in der Pali Veröffentlichung, die die einzige vollständige Überlieferte ist, enthält sie fünf Sammlungen, die „Nikāyas“. Zur Erklärung: das Wort „Sūtra“ bedeutet in der Übersetzung aus dem Sanskrit „Leitfaden“ – oder in Pali „Sutta“ die „Lehrreden des Buddha“. Sie erzählen von den früheren Leben des Buddha sowie auch vom denen seiner Anhänger sowie auch der Gegner seiner Lehre. Das Besondere daran ist aber die Erkenntnis, wie das Verhalten im früheren Leben das der jetzigen Existenz beeinflussen wird. Dies wird als Gesetz des Karma beschrieben. Jatakas können Märchen, Fabeln oder Novellen sein.

In einem Teil der Sammlung „Khuddaka – Nikāya“ in der Übersetzung aus dem Pali – „Kurze Sammlung“ – werden die „Jataka“, die 547 „Geburtsgeschichten“ beschrieben. Die Sammlung umfasst in fünf Teilen 15 Abschnitte. Im Abschnitt 10 geht es um „Jataka“, im Abschnitt 13 um „Apadāna“, der Schilderung der früheren Existenzen von berühmten Mönchen, Nonnen und von Heiligen. Der Abschnitt 14 „Buddha-ramsa“ ist eine Vers-Erzählung über die 14 Buddhas, die den historischen Buddha , Shakyamuni“ vorausgegangen sind. Zuletzt im Teil 15 „Chariyā-Pitaka“, in dem Buddhas frühere Existenzen, die Zehn Vollkommenheiten „Paramitā“ verwirklicht hat.

Die Entstehung des Werkes – Jataka

Vermutlich wurden im Bereich der Theravada-Schule im Zeitraum um 500 n.Chr. die 547 Jatakas unter dem Titel „Jātakatthavannana“ – in der Übersetzung „Erklärung des Sinnes der Jātaks“ – zu einer Sammlung vereinigt und niedergeschrieben. Als Grundlage wurden vermutlich verlorene Vorlagen verwendet. In der frühsten bekannten Einteilung der buddhistischen Literatur findet sich schon die Bezeichnung „Jātaka“. Dadurch konnte festgestellt werden, dass der Ursprung der „Jātakas“ schon außerhalb des Buddhismus liegt. Dabei können Jataka Abbildungen als Wandmalerei, als Terrakottarreliefs oder als Ritzzeichnungen auftreten, die bildliche Darstellungen sowie Texte enthalten. Wunderbar zu betrachten im Ramkhamhaeng National Museum in Sukhothai.

Jataka – Geschichten, als Beispiel des Inhaltes der Bildnisse

Als erstes einen Hinweis in eigener Sache! Die folgenden Abbildungen unterliegen dem Copyright von Foto-Kerner (Reiner Kerner) und dem Ramkhamhaeng Nationalmuseum in Sukhothai. Die Nutzung der Bilder ist außerhalb der Internetseite von www.foto-reiseblog.de nicht gestattet.

Jede Jataka Geschichte besteht aus einem gegliederten Text, der festen Regeln folgt. Diese sind in fünf Teile unterteilt:

  1. Die Einleitung – die Geschichte aus der Gegenwart (Paccuppanavatthu)
  2. Die Geschichte der Vergangenheit (Atitavatthu)
  3. Die kanonischen Verse (Gatha)
  4. Die Kommentare (Veyyakarana)
  5. Die Verknüpfung (Samodhana)

Am Beginn eines jeden Abschnitts (Vatthu) und an den einzelnen Übergängen ist der Wortlaut festgelegt. Bemerkenswert ist hier, dass es so etwas wie eine Redaktion gegeben haben muss, die über die Einhaltung dieser Regeln bei 547 Jatakas gewacht hat.

Bei den Beispielen wähle ich hier die Beschriftung aus dem Pali, so wie sie in der deutschen Übersetzung aufgeführt sind. Dies ist eine Zusammenfassung des Inhaltes der Jakata, von mir verfasst. Dabei habe ich versucht den Inhalt zu kürzen und in für uns etwas verständliche Worte zu fassen. Schon hier zeigt sich aber wie schwer es sein kann diese Art von Texten zu verstehen. Wer den Text in der übersetzten Originalfassung lesen möchte, findet diese weiter unten im Link zum Buch von Dr. JULIUS DUTOIT.

Makhadeva-Jataka – Nummer 9 von 547

„Hoch auf dem Haupt diese Locke“

 

Makhadeva-Jataka im Ramkamhaeng National Museum Sukhothai

Makhadeva-Jataka im Ramkhamhaeng National Museum Sukhothai

Die Einleitung – die Geschichte aus der Gegenwart (Paccuppanavatthu)

Hier erzählt der Meister im „Hain des Jeta“, einem Park in Shravasti in Nordindien.
Der Meister ließ sich bei seinen Mönchen im Buddhasitz nieder und fragte die Mönche, weshalb sie sich hier zu einer Unterhaltung eingefunden haben? „Herr wir haben uns hier eingefunden um deine Weltentsagung zu preisen“. Und Buddha sprach: “ Nicht nur jetzt habe ich die Weltentsagung ausgeführt, schon früher habe ich dieses getan.“ Die Mönche wollten dieses hören und baten ihn von einer früheren Existenz zu berichten.

Die Geschichte der Vergangenheit (Atitavatthu)

Ein Großkönig mit dem Namen Makkhadeva, der sehr gerecht war, hatte schon 84 Jahre gelebt. Eines Tages sprach der König zum Barbier: „Lieber Babier, wenn Du bei mir graue Haare entdeckst, sage es mir!“

Nach einer langen Zeit sah der Barbier ein einzelnes graues Haar in dem sonst so schwarzen Haar des Königs. Er unterrichtete den König von seiner Entdeckung. Der König befahl dem Babier das Haar herauszureißen und ihm dieses auf die Hand zu legen. Der Barbier ergriff eine goldene Zange, entfernte das Haar und legte es in die Hand des Königs. Der König hatte noch eine Lebensfrist von vierundachzigtausend Jahren.

Als er aber das graue Haar sah erschrak er und sah seinen Tod kommen. Er beschloß Mönch zu werden in der restlichen Zeit seines Lebens. Dies teilte er seinem Sohn mit und übergab ihm die Regierung. Auch seinen Ministern teilte er dies mit. Der König verbrachte vierundachzigtausend Jahre bei den Mönchen. Als er dann starb wurde er im Brahma-Himmel wiedergeboren. Diesen verließ er und vereinte sein Volk unter dem Namen „Mathila König Mimi“. Nach dieser Tat wurde er dann wieder Mönch und nach seinem Tod gelangte er noch mehrmals in den Brahma-Himmel.

Die Kommentare (Veyyakarana)

Dann sprach der Meister: „Ihr Mönche – auch der Meister hat schon öfter diese Welt verlassen“ und nach dieser Feststellung verkündete er die vier edelen Wahrheiten.

Die Verknüpfung (samodhana)

Am Ende der Rede erklärte der Meister das Jataka mit den Worten: „Damals war Ānada der Barbier, der Sohn war Rāhula, der König war aber ich“.

 

Bherivada-Jataka – Nummer 59 von 547

„Die Erzählung von dem Trommelschläger“

Bherivada-Jataka im Ramkhamhaeng National Museum Sukhothai

Bherivada-Jataka im Ramkhamhaeng National Museum Sukhothai

Die Einleitung – die Geschichte aus der Gegenwart (Paccuppanavatthu)

Diese Geschichte erzählte der Meister im „Hain von Jeta“ – die Geschichte über einen ungehorsamen Mönch. Er fragte den Mönch ob er ungehorsam war. Der Mönch antwortete. „Ja, es ist wahr!“. „Nicht nur jetzt sondern auch in früheren Zeiten“ sprach Buddha und begann die Geschichte zu erzählen.

Die Geschichte der Vergangenheit (Atitavatthu)

Als Brahmadatta in Banares regierte wurde eine Bodhisattva, also jemand, der beschlossen hatte ein Buddha zu werden, in einer Trommelschlägerfamilie wiedergeboren.. Als er hörte, dass das Nakkhatta (Mondfest) stattfinden sollte wollte er dort die Trommel schlagen um Geld zu verdienen. So ging er dort mit seinem Sohn hin, trommelte und bekam viel Geld. Auf dem Rückweg kamen sie zum Räuberwald und der Vater sagte zum Sohn, der unaufhörlich die Trommel schlug: „Schlage nicht unaufhörlich die Trommel, sondern nur von Zeit zu Zeit, so wie es die Fürsten tun. „Der Sohn sprach aber: „Gerade durch das Trommeln will ich die Räuber vertreiben!“ Die Räuber hörten die Trommel und nahmen zuerst an der Fürst würde erscheinen. Als sie aber merkten, dass die Trommel nicht verstummte wurde es ihnen klar, dass dies nicht der Fürst sein konnte. Sie entdeckten nur zwei Menschen und beraubten sie – den Mann und das Kind.

Die Kommentare (Veyyakarana)

Der Bodhisattva sprach danach: „Das Geld hast du verloren durch das andauernde Trommelschlagen“

Die Verknüpfung (samodhana)

Als der Meister mit der Geschichte fertig war erklärte er das Jataka mit den Worten: „Damals war der Sohn der unfolgsame Mönch, der Vater, der war ich“.

Rohini-Jataka – Nummer 45 von 547

„Ja besser ist ein kluger Feind“

Rohini-Jakata im Ramkhamhaeng National Museum Sukhothai

Rohini-Jakata im Ramkhamhaeng National Museum Sukhothai

Die Einleitung – die Geschichte aus der Gegenwart (Paccuppanavatthu)

Diese Geschichte erzählte der Meister als er im Jetavana verweilte. Die Geschichte einer Sklavin des Großkaufmanns Anāthapindika. Der Name der Sklavin war Rohini. Ihre Mutter zerstieß Reis und legte sich zu einer Pause nieder. Alsbald kamen Mücken und stachen die Mutter Rohinis. Die Mutter sagte zur Tochter: „Bitte vertreibe die Mücken!“. „Das will ich tun Mutter“ und sie erhob ihre Keule. Aber anstelle der Mücken traf sie den Körper der Mutter und tötete sie dadurch. Als sie das Unglück sah, fing sie an zu weinen!

Das teilte man dem Kaufmann mit. Er ließ der Mutter die letzte Ehre erweisen und begab sich in ein Kloster und erzählte die Begebenheit dem Meister. Der Meister antwortete: „Nicht nur durch die Schläge nach den Mücken hat sie die Mutter getötet, sondern schon viel früher geschah es“. Auf Bitten schilderte der Meister dann folgende Geschichte:

Die Geschichte der Vergangenheit (Atitavatthu)

Als Brahmadatta in Banares regierte wurde eine Bodhisattva in einer Familie eines Großkaufmanns wiedergeboren und erhielt nach dem Tode seines Vaters die Großkaufmannsstelle. Auch er hatte eine Sklavin mit dem Namen Rohini und sie wurde von ihrer Mutter, die Reis zerstieß, gefragt, ob sie nicht die Fliegen vertreiben könne. Sie traf die Mutter mit der Keule und tötete sie! Sie begann sehr zu weinen.

Die Kommentare (Veyyakarana)

Als Der Boddhisattva diese Begebenheit erfuhr, bedachte er: „Ein Feind selbst ist in dieser Welt besser, wenn er klug ist.“

Die Verknüpfung (samodhana)

Nachdem der Meister die Geschichte beendet hatte stellte er fest: „Damals war die Mutter die Mutter, die Tochter war die Tochter, der Großkaufmann aber war ich.“

Jātakam – Wiedergeburtsgeschichten als Buch

Das Buch der Erzählungen aus früheren Existenzen Buddhas. Wer sich weitergehend mit dieser Thematik auseinandersetzen möchte, dem sei dieser Link empfohlen. Er führt zur ersten vollständigen Übersetzung ins Deutsche von Dr. JULIUS DUTOIT.

Jatakam – die Wiedergeburtsgeschichten

Warum diese schwere Kost über die Jātakas?

Sicherlich, dieser Bericht ist nicht für Jeden geeignet. Jedoch zeigt er wunderbar die Komplexität des Buddhismus durch seine Geschichte, die Verbreitung und Entwicklung in der Region Asiens und somit auch in Thailand auf. In meinen Augen gibt es nur wenige Menschen, die sich wirklich mit der Geschichte Thailands und dem Buddhismus auseinandersetzen. Dabei ist diese Auseinandersetzung wichtig um Zusammenhänge in der Kultur Thailands und der Südostasiatischen Kulturen zu verstehen.

Gerade am Beispiel der Jākata-Abbildungen im Ramkhamhaeng National Museum in Sukhothai sind ein wundervolles Beispiel, wie fantastisch die Geschichte Thailands sein kann. Gerade für Mitmenschen, die in Thailand leben, ist es vielleicht auch mal etwas anderes als nur immer den selben Ritualen im täglichen Leben nachzugehen. Seid offen für Neues und vor allem bleibt neugierig!

Euer Reiner

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2 Kommentare zu “Jataka – die Geburtsgeschichte Buddhas

  1. Christian Siegler

    Hallo, ich bin Didi, Deutsches Eigentum , und lebe seit 10 Jahren in Thailand , bevor ich 3 Jahre als Backpacker in Asien unterwegs war. Die Geschichte Buddhas ist nicht einfach zu verstehen, da die Denkungsart- Handlungsweise zw. Europäer und Asien sehe verschieden sind. Mich beschaeftigt mich folgendes : Ist Buddhismus eine Religion wie das Christentum oder der Islam. und ist (wenn) der Buddhismus eine schriftliche oder mündliche Religion ! Ich lese dabei verschiedene Antworten. Desweiteren : in den Schriften werden Moenche u Nonnen im Buddhismus benannt. Nach heutiger Sicht , werden die Nonnen sehr unterdrückt , in Thailand gibt es m.W. niergends ein Tempel in dem Nonnen ausgebildet werden. Die Begruendering eines Nonnen Klosters wurde ja in Laos ausgebildet u hat in Thailand einen Wat Tempel gegruendet.

    1. Reiner Kerner Autor des Beitrags

      Hallo Christian,
      vielen Dank für Deinen Kommentar den ich leider etwas verspätet beantworte. Sorry!
      Der Buddhismus ist eine Weltreligion aber auch wieder nicht. Das hängt mit der Definition des Einzelnen zusammen. Buddha sprach immer davon nicht zu glauben sonder alles zu überprüfen. Damit wäre es keine Religion denn die hängt stark vom glauben ab. Im Pali gibt es nicht den Begriff „glauben“ so ist hier also auch vieles offen! Buddha wollte auch nicht angebetet werden, das bedeutet auch, dass die Menschen ihn an den Statuen verehren und nicht anbeten. Du siehst also die erste Frage ist eigentlich nicht so zu beantworten. Jeder sollte seine eigene Definition finden. Für mich ist dies auch nicht so von Interesse, da für mich das Leben nach den Regeln des Buddhismus das Endscheidende ist! Die schriftlichen Aufzeichnungen sind auch wie bei allen anderen Religionsrichtungen erst später entstanden.
      Zum Thema Nonnen wird es einen eigenen Beitrag geben da dieses für alle Leser interessant sein könnte. Ich bitte Dich daher noch um etwas Geduld.
      Mit lieben Gruß

      Reiner

Ich freue mich über Eure Meinungen, Hinweise und sachlichen Kommentar!

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