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Foto- und Reiseblog

Wat Kon Laeng – Blut für die Geister

Immer, wenn wir an den Buddhismus in Thailand denken, fühlen wir die Friedfertigkeit und den Gewaltverzicht der Gläubigen. Doch wie sah es in der Vor- und Frühzeit des historischen Sukhothais aus? Wer war eigentlich Phi Muang? Wat Kon Laeng mit der markanten Pyramide gibt uns auf diese Frage beeindruckende und kaum vorstellbare Informationen über Blutopfer!

Wat Kon Laeng mit der Pyramide für Phi Muang und dem vorgelagerten Viharn in Sukhothai - Thailand
Wat Kon Laeng mit der Pyramide und dem vorgelagerten Viharn

Wo finden wir Wat Kon Laeng in Sukhothai?

Wat Kon Laeng liegt auf der Südseite der historischen Stadt Sukhothai. Wir sollten uns auf den Weg zum südlichen Stadttor ( Pratū na mo – ประตูนะโม) in der Wallanlage begeben. Dies kann durchaus mit dem Fahrrad oder einem anderen Fahrzeug geschehen, da es doch etwas außerhalb liegt. Folgt man der Strasse durch das Stadttor und läßt eine U -förmige Kurve hinter sich, dann findet man nach zirka 500 Metern Wat Kon Laeng in Fahrtrichtung auf der rechten Seite.

Die Geschichte des Wat Kon Laeng

Das größte Gebäude, das die Tai in der Post-Khmer Periode errichtet haben, war vermutlich kein buddhistischer Tempel, sondern ein Schrein, der dem Beschützer aller Sukhothai Gebiete geweiht war. Phi Muang – der kraftvolle Geist des Landes. In anderen Gebieten Asiens heißt er Phi Sua, der zusammengehörend mit einem besonderen Führer, dem Phi Muang von Phra Khapalung wirkt. Phi Muang ist der „Volksgott“ der Menschen von Sukhothai und des ganzen lokalen Territoriums, gleichgültig wer gerade der führende König war.

Der Unterschied zwischen dem Recht zu herrschen und dem Muang Territoalrecht ist ein sehr wichtiger, der direkt Einfluß auf Politik, Religion und Kunst in der Sukhothai-Epoche hatte. In der Steininschrift Nummer 1 – der Inscription I. wohnte Phi Muang auf einem Berg mit dem Namen Phra Khaphung, dem „geehrten, erhabenen Platz“. Dieser soll sich im Süden der Stadt befunden haben.

Wenn auch sechs Jahrhunderte später noch angenommen wird, dass Phra Khaphung ein vollkommen natürlicher Berg sei. Bemerkenswert ist hier aber dann, dass in der thailändischen Sprache normalerweise der Ehrenname „phra“ nicht für ein reales Objekt angewendet wird und auch der Berg nie identifiziert wurde. Es gibt auch keine Berge oder Hügel im Süden der Stadt

Ist die Pyramide von Wat Kon Laeng der beschriebene Berg?

Es existiert im Süden nur eine vierstufige Pyramide aus Laterit-Gestein an der historischen Nord-Süd Strasse ausserhalb des Südtors vom historischen Sukhothai. In der Historie und der Archäologie findet man sehr häufig solche Vorkommnisse, dass Dinge, Orte oder auch Personen umschrieben werden. Heute wird dieser Tempel mit der außergewöhnlichen Pyramide als Wat Kon Laeng bezeichnet. In der Übersetzung bedeutet dies “ Blöcke aus Laterit“.

Die Pyramide – ein Rätsel der Geschichte

Die Pyramide kann weder stylistisch einer Khmer-Baukunst, noch der Baukunst der Thai auch in späterer Zeit direkt zugeordnet werden – wenngleich die massiven und schweren Laterit-Blöcke auf eine Khmer-Herkunft hinweisen. Bautechnisch hat die Pyramide Ähnlichkeiten mit dem im Norden vom Historischen Park Sukhothai gelegenen Pa Daeng Schrein. Die Laterit-Blöcke scheinen in beiden Gebäuden einfach nur gestapelt zu sein und nicht zu einem Bauwerk zusammengefügt zu sein. Es gibt bei der Pyramide vom Wat Kon Laeng keine Anzeichen eines inneren Raumes oder einer Insignienkammer, ganz im Gegensatz zu den zwei Räumen im Pa Daeng Schrein.

Die bauliche Gestaltung der Pyramide

Schon beim Anblick der Pyramide fällt dem Betrachter etwas Ungewöhnliches auf! Die vier Ebenen sind für Süd-Ost Asien sehr ungewöhnlich, da gerade Zahlen als unglücksbringend angesehen werden und architektonische Elemente in Gruppen von 3, 5 oder 7 anzutreffen sind.

Auffällig sind die jeweils zwei Treppen an der Ost- und Westseite der Pyramide am Wat Kon Laeng in Sukhothai. Die Pyramide als Opferstätte für Phi Muang
Auffällig die jeweils zwei Treppen an der Ost- und Westseite der Pyramide am Wat Kon Laeng

An der Nord-Ost Ecke und an der Süd-Ost Ecke befinden sich zwei Treppen, die bis hinauf zur jetzigen Spitze reichen. Dieses deutet auf die Nutzung für zeremonielle Aktivitäten hin. In der Steininschrift (Inscription I) erhalten wir diesbezüglich den Hinweis: „dass die Zeremonien ausgeführt wurden an dem hochverehrten, erhabenen Platz. Solange die Führer Sukhothais Phi Muang mit huldvollen Verehrungen versahen, sollte Sukhothai im Wohlstand leben. Als jedoch die Führer diese Zeremonien nicht mehr richtig ausführten, gab es auch keinen Schutz mehr durch Phi Muang. So geschah es, dass Sukhothai nicht mehr überleben konnte.“

Der Phi Muang Ritus

Der Phi Muang Ritus verbreitete sich weiterhin und gibt uns heute Einblick in die feierlichen Handlungen der Herrscher in der frühen Historie.

Überall in Süd-Ost Asien haben Menschen traditionell mit kleinen und schmalen Erd-Altären in Waldgegenden Phi Muang außerhalb der Siedlungen verehrt. In der frühen chinesischen Han-Dynastie ( 206 v. Chr. – 220 n. Chr.) verehrten die Herrscher ihre Erdgötter an Stufenpyramiden. So wie bei der Kon Laeng Pyramide waren auch die chinesischen quadratischen Erd-Altäre traditionell im Süden außerhalb der Stadt angelegt worden. Ungleich der Süd-Ostasiatischen Tempel mit 3, 5 oder 7 Ebenen hatten diese 2, 4 oder 6.

Der Erdaltar der historischen Stadt Hangchou, Hauptstadt von China im 13. Jahrhundert und damals die größte Stadt der Welt, hatte 4 Ebenen und war 9,5 Meter hoch. Das entspricht in etwa der gleichen Höhe wie die der Kon Laeng Pyramide mit 8,5 Meter.

Blut floß an den Stufenpyramiden in Asien

Wie auch immer die Größe und die Höhe der Plattform waren, die Zeremonien wurden immer auf der höchsten Plattform ausgeführt oder unter anderen Umständen auch an den Seiten auf den dortigen Altären vorgenommen.

Es waren rituelle Schlachtungen von Tieren, die den Gott der Erde günstig stimmen sollten. Bei den Thai sprechenden Menschen in dieser gesamten Zeit waren es Büffel, Schweine, Enten und Hühner. Manchmal wurde auch Reisschnaps den Göttern angeboten. Dabei wurde auch das Blut der Tiere gesammelt und an besonderer Stellen die Gebäude oder Altäre damit beschrieben oder auch nur beschmiert. In anderen Fällen wurde auch das Blut getrunken. Wenn dies die Rituale waren, die an der Kon Laeng Pyramide in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts n. Chr. ausgeführt wurden – und es gibt viele Gründe dafür dies zu glauben – ist es nicht verwunderlich, dass sich die Steininschriften nur sehr vage dazu äußern. Strenggläubige Buddhisten duldeten es auch nicht, dass Tiere getötet wurden und auch nicht das Trinken ihres Blutes oder das Trinken von Alkohol.

4 Ebenen der Pyramide von Wat Kon Laeng auf der obersten wurde Phi Muang geopfert
Die 4 Ebenen der Pyramide auf der obersten fanden die Opferungen für Phi Muang statt

Der Umschwung hin zum buddhistischen Wat Kon Laeng

Erst zum Ende des 13. Jahrhunderts, als diese Zeremonien in der Inscription I. erwähnt wurden, wurde Sukhothais Phi Muang von den Buddhisten umbenannt und taucht danach unter dem Namen Phi Devata in den Beschreibungen auf.

Da aber die Menschen im früheren Sukhothai diese blutigen Opferungen für Phi Muang für notwendig gehalten haben um das Überleben der Stadt zu gewährleisten hat es den Anschein, dass die Erwähnung der Praxis in der Steinbeschreibung der Wertschätzung galt. Die Veränderungen der alten Süd-Ostasiatischen Glaubenspraktiken waren zu dieser Zeit in vollem Gange.

Die vollzogene Wandlung von der Kon Laeng Pyramide zu einem buddhistischen Kloster war also notwendig und unvermeidbar. Dies geschah überall in Süd- Ostasien, zum Beispiel in Luang Prabang (Laos), nachdem ein königlicher Erlass die Verehrung von Phi Muang verbot und den Schrein für Phi Muang niederreißen ließ. Danach wurde an gleicher Stelle ein buddhistischer Tempel errichtet.

Die Übernahme der buddhistischen Tempelarchitektur

Ganz ähnlich verhält es sich auch mit Ayutthaya. Dort bot man Phi Muang mit Wat Phu Khao Thon (วัดภูเขาทอง, Goldener Bergtempel) im Süden der Stadt auch einen Tempel. Auch dieser wurde in eine buddhistischen Stupa / Chedi umgewandelt.

Mitte des 14. Jahrhundert wurde in Sukhothai neben der Kon Laeng Pyramide in östlicher Lage ein Viharn errichtet, um so das Gebiet als Theravada Kloster zu definieren. Auch die Anbauten aus Backstein an der ursprünglichen Pyramide zur Aufnahme von Buddha-Statuen und die Reste von kleineren Chedis zeugen von der Wandlung zum buddhistischen Tempel hin.

Treppe am Viharn im Wat Kon Laen aus Backsteinen gemauert - Sukhothai - Thailand
Treppe am Viharn im Wat Kon Laen aus Backsteinen gemauert
Sitzreihe der Mönche im Vharn von Wat Kon Laeng in Sukhotha - Thailand
Sitzreihe der Mönche im Vharn von Wat Kon Laeng
Anbau mit Backsteinen an die Pyramide von Wat Kon Laeng in Sukhothai
Anbau mit Backsteinen an die Pyramide von Wat Kon Laeng vermutlich zur Aufnahme einer Buddha-Statue

Es dauerte aber noch sehr lange bis Sukhothai sich vollkommen dem Buddhismus zuwandte. Noch heute glauben und verehren viele Thailänder ihre Naturgeister!

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