Gestorben wird im 15 Minutentakt – Wat Ta Kien

Das Sterben und die Wiedergeburt im Wat Ta Kien in Bangkok

Wat Ta Kien in Bangkok, gestorben wird im 15 Minuten Takt! Gewiss, dies Überschrift ist etwas übertrieben und doch beinhaltet sie etwas Wahrheit! Für uns Europäer ist der Buddhismus manchmal etwas schwer zu begreifen und um so schwieriger wird es, um so mehr man in den Bereich Glauben der Thailänder vordringt.

Wir sollten uns aber hüten vorschnell zu urteilen denn die Kultur des Thailändischen Buddhismus ist Jahrhunderte alt und wird von sehr viele Menschen streng gelebt. Immer wieder jedoch treten dort auch für uns Farangs (Ausländer westlichen Ursprungs) Widersprüche auf.

Ich möchte daher das Wat Ta Kien und seinem speziellen Ritual und dessen Hintergrund vorstellen. Dabei ist es zwingend notwendig sich auf die andere Kultur einzulassen um die Hintergründe der einzelnen Rituale im Ganzen zu verstehen und nicht abwertend deren Sinn oder die Handlung als solche abzuwerten.

Das Wat Ta Kien und der Floating Market

Man erreicht das Wat am einfachsten mit dem Taxi.

86 หมู่ 3 Tambon Bang Khu Wiang,

Amphoe Bang Kruai,

Chang Wat Nonthaburi 11130, Thailand

Öffnungszeiten: Täglich von 9:00 bis 15:30 Uhr

Telefon: +66 88 672 5196

Vom Sterben und der Wiedergeburt

im Wat Ta Kien.

Nach meiner Ankunft durchschritt ich schnellen Fußes die große Kuppelhalle mit dem Marktgeschehen. Der Raum in dem die Zeremonie statt findet, befindet sich in einem Gebäude das unter diesen Hallendach steht. Das ganze Umfeld wirkt etwas skurril.

Gebäre unter der großen Halle am Floating Market

Spezielle Gebäude in der großen Halle des Wat Ta Kien.

Auf den Stuhlreihen versammeln sich die Gläubigen bis die Mönche die Zeremonie mit gebeten beginnen. Danach erfolgt die Gabe (Tham Bun) um mit den Geschenken an die Mönche sein eigenes Karma zu verbessern. Man kann sagen das Guthaben auf seinem Konto der guten Taten aufzufüllen.

Drei betende Mönche aus dem Wat Ta Kien

Drei Mönche bereiten die Gläubigen durch Gebete auf die Zeremonie vor

Betende Buddhisten mit Blumen in den Händen

Betende Buddhisten

 

Die Gläubigen Buddhisten geben Spenden bei den Mönchen ab.

Die Gläubigen Buddhisten geben Spenden bei den Mönchen ab.

Buddhisten bei der Abgabe der Spenden an die Mönche

Es herrscht ein gesitteter Andrang um mit der Gabe an die Mönchen das Tham Bun zu erfüllen

Betende Buddhisten mit Blumen in den Händen

Abschlußgebet davor die Gruppe sich teilt um das Ritual zu erfahren.

Nach diesem erstmaligen Gebet trennt sich jetzt die Gruppe auf. Eine Gruppe entfernt sich aus diesem Bereich, die andere Gruppe betritt den Innenraum um an der besonderen Zeremonie teilzunehmen.

Der  symbolische Tod und die Wiedergeburt

Erneut beginn ein Mönch das Gebet. Dabei sind die Betenden mit einer Schnur die an der Decke mit weiteren Schnüren vereinigt werden um dann zu der Buddha Figur zu führen. Damit stellt der Mönch und die Gläubigen die Verbindung zu Buddha her. Es beginnt eine für uns teilweise monoton wirkende Aufzählung.

Schnüre verbinden die Gläubigen mit dem Mönch und der Buddhafigur

Beim Einführungsgebet sind die Gläubigen mit Schnüren mit dem Mönch und der Buddhafigur verbunden.

Alle Schnüren führen zur Buddhastatue

Die Schnüre vereinigen sich am Buddha

Die Gebete des Hauptmönch klingen manchmal monoton

Für unsere Ohren klingen die Gebete manchmal monoton.

Gläubige die Orchideen beim beten halten

Gläubige die Orchideen beim beten halten

Im Gebet versunkene Frauen

Tief im Gebet versunken

Im weiteren Verlauf der Buddha Verehrung beendet der Mönch diesen Teil der Zeremonie und die Gläubigen wechseln zu den einzelnen Särgen. Es gibt einen größeren Familiensarg und mehrere für zwei oder drei Personen.Man steigt in den Sarg und es beginnt ein neues Gebet. Nach Beendigung des Gebets legt man sich nieder und unter den Sprüchen des ehrwürdigen Mönches wird das Tuch von mehreren Mönchen über die Särge gezogen.

Die ersten Gläubigen besteigen den mit rosa Stoff ausgeschlagenen Zeremoniensarg

Die ersten Gläubigen besteigen den Zeremoniensarg

Betende Menschen vor dem Beginn der Zeremonie

Ein weiteres Gebet vor dem Beginn

Gläubige beten sitzend um Erleuchtung und Wiedergeburt

Andächtig beten die „sterbenden“ im Sarg

Mönche bedecken die Särge mit einer Stoffbahn und damit beginnt das rituelle Sterben

Das erste Bedecken und damit das rituelle Sterben

Durch erneutes Aufziehen der Stoffbahn beginnt der Teil der Wiedergeburt

Erneutes Aufdecken um den Teil der Wiedergeburt einzuleiten

Die Problemen sind beseitigt und durch das Abdecken beginnt die Wiedergeburt.

Die Problemen sind beseitigt und die Wiedergeburt beginnt.

Mönche ziehen das Tuch über den Neugeborenen Buddhisten weg.

Jetzt weird das Tuch zum letzten mal abgezogen

Nach einigen erneuten Gebetsformel durch den Hauptmönch wird das Tuch entgegen der Abdeckrichtung erneut für einen Kurzen Moment aufgezogen um danach wieder in die Ausgangsposition zugedeckt zu werden.Nochmals ertönen Gebete und Beschwörungen um dann nach ca. 2 Minuten durch das Aufdecken die Zeremonie zu beenden. Nach dieser Wiedergeburt entsteigt man dem Sarg und kann noch einmal Spenden abgeben.

Der Sinn des symbolischen Sterbens und der Wiedergeburt

Warum führen die Gläubigen diese für uns Europäer etwas ungewöhnliche Zeremonie durch? Der Grund für ein symbolisches Sterben ist vielschichtig und kann verschiedene Gründe haben.

Durch eine  Prophezeiung oder durch eine Karten- oder Handleserin wird großes Unheil für den Menschen vorhergesagt. Ein Mönch sieht etwas schreckliches in naher Zukunft für den jeweiligen Gläubigen. Dies kann zum Beispiel eine Krankheit, ein Unfall oder der kurz bevorstehende Tod sein. Die betreffende Person hat einfach nur Pech gehabt, zum Beispiel waren die geschäftlichen Tätigkeiten nie von Erfolg gekrönt oder der Berufsweg läuft nicht so wie gewünscht. Der Gläubige hat kein Glück im Spiel und hat dadurch finanzielle Probleme. Alle diese Gründe können nach Meinung vieler Thailändischen Buddhisten durch den rituellen Tod beendet werden. Nach der neuen rituellen Geburt beginnt für die Gläubigen ein neues Leben und dieses kann durch die Tham Bun Gaben nur positiver sein.

Wie sehen die Thailänder dieses Ritual

In den geführten Gesprächen betonten alle das es ein sehr wirkungsvolles und hilfreiches Ritual ist. Viele die eine Neugeburt im Wat Ta Kien erlebten haben sind in die großen Halle zu einem Lotteriestand gegangen und haben sofort größere Gewinne erzielt. Einige betonten im Gespräch  das sie durch dieses Ritual ein vorhergesehenes Unheil, hier war es ein schwerer Motorradunfall, überlebt haben und nur durch die Teilnahme nicht gestorben sind.

Für uns ist diese Art von Gedanken sehr schwer zu verstehen. Eines dürfen wir aber nicht außer acht lassen. Die Selbstbeeinflussung durch den Glauben hat schon in allen Religionen psychologisch einiges bewirkt.

Eine Thailänderin sprach jedoch hinter der vorgehaltenen Hand das es sich wohl mehr um eine gut organisierte Marketingmaßnahme der Tempel handelt, da durch die außerordentlichen Thambun Zahlungen sehr viel Geld in die Kassen der Tempel gespült wird.

Solange die Thailänder es freiwillig tun und sich dabei glücklich und besser fühlen sollten wir uns nicht erheben diese Handlungen zu bewerten.

 

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5 Kommentare zu “Gestorben wird im 15 Minutentakt – Wat Ta Kien

  1. Pingback: Floating Market vom Wat Ta Kien in Bangkok absolut sehenswert

  2. Franz Terfloth

    Endlich mal eine sinnvolle Erklärung für die von der Decke hängenden Fäden,die man in einigen Tempeln findet.Danke!

    1. Reiner Kerner

      Hallo Franz,
      danke für Deine Rückmeldung. Ich versuche immer gut recherchierte und ausführliche Posts zu bringen.
      Gerne helfe ich auch weiter wenn jemand Fragen über Asien und speziell über Thailand hat.
      Also auch gerne mal einfach eine Anfrage stellen.
      Liebe Grüße
      Reiner

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