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Das thailändische „Wertesystem“ im Wandel der Zeiten

Das thailändische „Wertesystem“ im Wandel der Zeiten

Der Beitrag – Das thailändische Wertesystem im Wandel der Zeiten ist von dem Gastautor Rolf Schendel auf Facebook in der Gruppe „leben in Thailand“ am 15.08.2018 gepostet worden. Ich bedanke mich recht herzlich für die Freigabe seines Posts auf unserem Reiseblog.

Woher kommt dieses thailändische Wertesystem?

In Thailand ist der Wert des Menschen von seinem Besitz abhängig, bestimmten die Könige vergangener Jahrhunderte. Das ist, in geänderter Form, noch heute gültig.

Landbesitz zeigte an, wo sich ein Mensch im thailändischen System befindet, welchen Wert er in und für die Gesellschaft hat. repräsentiert. Das “Sakdina System“, die Wertescala, bestimmte den König in der Rangfolge und die ihm nachfolgenden Höflinge, Beamten und andere Gefolgsleute. Und natürlich den Wert des Landvolkes. Landlose waren wertlose Menschen.

Auch die feudale Gesellschaft brachte hier keine Veränderung, lediglich eine Ergänzung der Werte-Ordnung. Der Lohn erhielt seinen Platz darin. Damit wurde auch jenen Menschen ein Wert zuerkannt, die Lohnarbeit verrichteten. Das seit Jahrhunderten geltende System wurde zu jeder Zeit an gesellschaftliche Veränderung angepasst. Es gilt heute auch für die Grenzanlieger Thailands. Denn sie können bis heute keine thailändische Staatsbürgerschaft erwerben. Auch die malaiische Minderheit im Süden des Landes muss sich mit der Macht der Staatsgewalt ebenso abfinden, wie Beschäftigte aus Burma, die als Geringverdiener im Textilsektor oder im Fischfang bzw. der fischverarbeitenden Industrie arbeiten.

Auch in der sich entwickelnden modernen kapitalistischen Produktion ist das Wertesystem Bestandteil der Gesellschaft. Obwohl sich ständig die bewährten Strukturen Thailands verändern. So wird die Einheit der noch vor Jahren dominierende Großfamilie zerstört und die kleinbäuerliche Landwirtschaft durch sinkende Erträge und Einkommen ruiniert. Immer mehr Menschen, darunter auch viele Frauen, nehmen eine Lohnarbeit auf. Und weil immer mehr junger Menschen auf Arbeitsplatzsuche die Dörfer verlassen, leben sie eben nicht mehr bei den Eltern. Dennoch aber ist deren finanzielle Versorgung vielen traditionell noch sehr wichtig. Experten meinen, dass die Zahl der Kleinfamilien weiter anwachsen und die Scheidungsrate sich ebenfalls erhöhen wird. Bereits 2013 lag diese bereits bei rund 36 Prozent.

Selbst Gegenstände oder Körperteile gehören zum thailändischen Wertesystem

Thais bewerten sogar Gegenstände und Körperteile. So ist der Kopf als höchster Teil des Körpers heilig und sollte nicht berührt werden. Als niedrigster Körperteil gelten die Füsse, mit denen man nicht auf Dinge oder Personen zeigen sollte. Aber auch leblosen Dingen wird ein Rang zugeordnet. So wird ein Thailänder beispielsweise nicht ein paar Schuhe auf einen Stapel Bücher stellen, da die Schuhe als “niedrig” und die Bücher als “hoch” eingestuft werden. Auch wird der Thai es vermeiden, unter einer Wäscheleine hindurchzulaufen, auf der vielleicht Socken oder Unterwäsche hängen.

Viele Thais sind davon überzeugt, dass sie Teil eines natürlichen und für sie vorteilhaften Systems sind. Sie sehen darin den Zusammenhalt und die Stärke ihrer Gesellschaft. Voraussetzung ist, dass jeder die Rangfolge im Wertesystems beachtet. Deshalb lernen bereits Kleinkinder, dass die sich mit einem Wai (Wâai) vor Eltern, den älteren Familienmitgliedern, Lehrern, Mönchen und Mitgliedern der königlichen Familie verneigen. Damit beweisen sie Achtung und Respekt vor deren Leistungen für die Gesellschaft.

Übrigens ergibt sich aktuell der Wert eines Thai auch dann, wenn sein (oder ihr) Lohn (Einkommen) durch eine Geldzahlung des Ausländers ersetzt wird. Aber natürlich bleibt der zahlende Ausländer damit in der Gesellschaft “wertlos“. Aber er kann sich ja durch sein Verhalten Achtung und Anerkennung der Thais erwerben. Doch kann ihm auch, wenn sein Verhalten nicht in die Gesellschaft passt, diese Anerkennung versagt werden.

Betrifft uns dieses Wertesystem direkt?

Für uns Westeuropäer ist es nicht so einfach zu verstehen. Dennoch sollten wir uns bemühen, möglichst vieles zu verstehen, denn letztlich wird unser Verhältnis zu den Familienmitgliedern bzw. Kindern unserer Partnerin und unsere Einstellung zu Thailand allgemein davon bestimmt. Wir sollten stets vor Augen haben, dass wir bereits mit dem Gebrauch der thailändischen Worte “ich”, “du”, “er” oder “sie” unsere Position in der Hierarchie der Familie oder des Landes bestimmen.

Königs-Familie im Tempel in Pitsanuluk schufen das Wertesystem

Königs-Familie im Tempel in Pitsanuluk. (c) Rolf Schendel

Bemerkungen von Reiner Kerner

Was meint Ihr, gibt es auch in den Ländern DACH solch ein Wertesystem oder heben wir uns von dieser Wertung ab? Nach meiner Meinung haben wir hier auch ein Wertesystem! Hier in den DACH Ländern wird es nur anders in der Hierarchie ausgeführt. Hast du nichts, bist du nichts. Wie es schon in der Sparkassenwerbung vorkam, mein Haus, mein Boot, meine Frau…..
Das ist doch genau ein Wertesystem das Menschen ohne Besitz in eine tiefere Ebene verdammt.
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