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Die Roten Khmer

Die Roten Khmer – eine Schreckensherrschaft in Kambodscha

Sie wurden bejubelt und als Helden gefeiert, als die Brigaden der Roten Khmer am 17. April 1975 in Phnom Penh einmarschierten und die Militärregierung stürzten. Kaum ein Kambodschaner wußte – oder besser konnte erahnen – was sich nur Stunden danach abspielen würde und dass dieses Grauen 3 Jahre, 8 Monate und 20 Tage andauern sollte.

Emblem der Demokratischen Republik Kamputchea

Emblem der Demokratischen Republik Kamputchea

Wie alles mit den Roten Khmer begann

Paris in den 50 iger Jahren des 20. Jahrhunderts: Pol Pot, der eigentlich Saloth Sar hieß, Leng Sary und Khieeu Samphan gründen eine Studentenbewegung, die“Vereinigten Khmer-Studenten“, die marxistische Grundwerte verherrlicht. Diese drei sollten später die Führer der Roten Khmer werden. Pol Pot bekam später den Namen „Bruder Nr. 1“. Nach der Rückkehr in ihr Heimatland Kambodscha traten die Drei umgehend in die Kambodschanische Kommunistische Partei ein.

Bild von Pol Pot

Bild von Pol Pot

Gehen wir etwas zurück in der Zeit! Die ständigen Rivalen Siams, des heutigen Thailand, die Vietnamesen, besetzten im 19. Jahrhundert das Mekong-Delta. Die Vietnamesische Führung wollte sich diese Region endgültig einverleiben. Es sollten die Kultur und die Sitten und Gebräuche der Bevölkerung vernichtet werden. Nachdem Frankreichs Versuch eine Mission im Mekong-Delta zu eröffnen gescheitert war, fügte ein französisches Expeditionskorps das Mekong-Delta der Kolonie Cochinchina 1863 hinzu.

Nach der Darstellung Frankreichs ersuchte 1867 der König Kambodschas die Franzosen um Hilfe. Sie sollten Kambodscha gegen Siam und die Vietnamesen verteidigen. Kanonenbote drangen über das Delta bis nach Kambodscha vor.  Nach dem französisch – kambodschanischen Abkommen von 1884 übernahm Frankreich die komplette Regierungsmacht, 1887 wurden die französischen Protektorate zur Union von Indochina zusammengefasst. Dieses führte aber nachweislich zu keinen nennenswerten Vorteilen in Punkto wirtschaftlichem Aufschwung. Auf den Gebieten Bildung, Verwaltung und Gesundheit ergaben sich auch keine Verbesserungen.

Die Zeit Königs Sihanouk in Kambodscha

1953 wurde Kambodscha von der Kolonialmacht Frankreich unabhängig. Der Regent zu dieser Zeit war Prinz Nordom Sihanouk mit seiner Partei der Sozialistischen Volksgemeinschaft. Im Jahre 1963 kommt es zur großen kambodschanischen Studentenrevolte. Mit dabei waren auch Pol Pot und die Anderen aus der Studentenbewegung. Pol Pot und seine Gefährten mußten in den Untergrund gehen und bauten die Guerilliatruppe „Rote Khmer“ auf.

Immer häufiger gab es in der folgenden Zeit Grenzverletzungen durch Vietnam und in den Provinzen am Mekong wurden die Minderheiten der Khmer verfolgt. Kambodscha gestattete China Vietcong-Stützpunkte in der Grenznähe des Landes zu errichten. 1969 begannen die USA diese Stellungen auch auf dem Territorium von Kambodscha zu bombardieren. König Sihanouk warf daraufhin den USA vor: „Für  Euch sind die Kambodschaner nur Hunde und Schweine. Für mich aber sind sie kleine Buddhas und ich will nicht, dass sie sterben, mit Ausnahme der Kommunisten, die Kambodscha als unabhängiges Land töten wollen“

Königspalast in Phnom Penh

Königspalast in Phnom Penh

Der Umsturz und die Machtübernahme

Im Chaos der Ereignisse nutzte im März 1970 der Marschall Lon Nol die Gelegenheit zu einem Staatsstreich und Kambodscha versank in einen Krieg, aus dem sich eine massive Instabilität entwickelte. Jetzt war die Zeit der Roten Khmer gekommen. Die Roten Khmer stürzten die von den USA unterstützte Regierung unter Lon Nol. Es war der 17. April 1975, als die Roten Khmer die Hauptstadt Kambodschas, Phnom Penh einnahmen. Es wurde die „Demokratische Volksrepublik namens Demokratisches Kampuchea“ ausgerufen.

Das irrsinnige Gedankengut und der Terror der Roten Khmer

Die Roten Khmer planten aus der „Demokratischen Volksrepublik Kampuchea“ ein radikal kommunistisches Land zu machen. Schon wenige Stunden nach dem Einmarsch in Phnom Penh begannen sie mit der Evakuierung der Stadt. Sie fürchteten einen Widerstand der Menschen. Ihr Plan sah vor, dass es keinen Unterschied von Städtern und Bauern mehr geben sollte. Das Geld als Zahlungssystem wurde abgeschafft und es sollte nur noch den Tauschhandel geben.

Kindersoldaten der Roten Khmer

Kindersoldaten der Roten Khmer

Auf den langen Märschen aus der Stadt heraus starben unzählige Menschen. Privatbesitz, Religionsausübung, Sprachen und Gebräuche von Minderheiten wurden verboten. Die Schulen und Betriebe wurden geschlossen und zerstört. Alle Religionen wurden verboten und Geistliche oder Mönche wurden verfolgt. Die ethnischen Minderheiten in „Kampuchea“ wurden ebenfalls verfolgt und teilweise sofort getötet. Es begann eine gnadenlose „Säuberungsaktion“, in der selbst Angehörige der Armee, Polizei, die Beamten aus dem Lon Nol Regierungsaparat um ihr Leben fürchten mußten.

In einem Vernichtungslager der Roten Khmer

In einem Vernichtungslager der Roten Khmer. Gemalt von Heng Sreang

In den folgenden Jahren starben unterschiedlichen Schätzungen zufolge zwischen 1,7 und 2 Millionen der einst 8 Millionen Bewohner von Kambodscha. Sie starben an an Krankheiten,  Hunger, an unmenschlicher Folter oder wurden ermordet. Es gab viele Foltergefängnisse, wie zum Beispiel Tuol Sleng in Phnom Penh, das auch als „Sicherheitsgefängnis 21“ in die Geschichte einging und heute eine Erinnerungstätte und ein Museum ist.

Das Ende der Schreckensherrschaft der Roten Khmer

Trotz der rigorosen Machtausübung durch die Roten Khmer gab es in den Jahren immer wieder vereinzelte Unruhen, die jedoch sofort blutig beendet wurden. Die Machthaber der Roten Khmer unter Pol Pot beschlossen  im Dezember 1978 das Mekong-Delta zu erobern, das in vietnamesischem Besitz war. Einem sofortigen Gegenschlag der vietnamesischen Armee konnten die Truppen der Roten Khmer aber nichts entgegensetzen. Der vietnamesische Vormarsch erreichte am 7. Januar 1979 Phnom Penh und befreite die Stadt. Es wurde eine neue Regierung durch die Vietnamesen installiert, in der neben geflohenen Intellektuellen auch Mitgliedern der Roten Khmer zu finden waren. Diese Regierung wurde durch China und den USA unterstützt. In der Zeit, in der sich die vietnamesische Armee in Kambodscha aufhielt, kam es immer wieder zu Gefechten mit Guerillatruppen der Roten Khmer. 1989 verließen die vietnamesischen Truppen Kambodscha.

Das Aufarbeitung der Roten Khmer Herrschaft durch die Gerichte

Erst 1991 kam es zu dem Friedensverträgen von Paris. In folgender Zeit brachen aber immer wieder die Reste der Roten Khmer  den vertraglich festgelegten Waffenstillstand. Sie weigerten sich die noch von ihnen besetzten Gebiete zurückzugeben und boykottierten auch die 1993 stattfindenden Wahlen zur Verfassunggebenden Versammlung in Kambodscha.

7000 Soldaten der Roten Khmer nutzten 1994 die Möglichkeit einer Amnestie. Pol Pot wurde in einem internen Prozess der Roten Khmer zu lebenslangem Hausarrest verurteilt. Er verstarb im April 1998 und daraufhin kapitulierten am Ende des Jahres auch die letzten Soldaten der Roten Khmer.

Erst 30 Jahre nach der Herrschaft der Roten Khmer begann im Februar 2009 der Gerichtsprozess gegen Kaing Guek Eav, genannt „Duch“, dem Leiter des Foltergefängnisses Tuol Sleng. 2010 wurde er zu einer 35 jährigen Haftstrafe verurteilt, die aber 2012 auf lebenslänglich in einem neuen Prozess erhöht wurde.

Einen sehr guten Bericht über die Aufarbeitung der Geschichte finden wir in der Zeitung „Spiegel“

Massenmörder ohne Gedächtnis

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5 Kommentare zu “Die Roten Khmer

  1. Pingback: Das Gefängnis S-21 in Phnom Penh und das Tuol-Sleng-Genozidmuseum

  2. Wolfgang

    Ich habe vor vielen Jahren den Film „Killing Fields“ gesehen und interessiere mich seit dem für diese Ereignisse. 2018 war ich in Siem Reap, 2019 in Phnom Penh und hatte sogar das Glück, mich mit Zeitzeugen unterhalten zu dürfen. Die älteren Menschen sind dort nach so vielen Jahren immer noch traumatisiert und es gibt praktisch keine Familie, die aus dieser Zeit keine Opfer zu beklagen hat.

    Natürlich besuchte ich auch das Foltergefängnis S21 sowie die Killing Fields. Schreckliche Sache, die dort herrschende beklemmende Atmosphäre dort habe ich zuvor nur bei Besuchen von Nazi-KZs erlebt.

    1. Reiner Kerner Autor des Beitrags

      Hallo Wolfgang,
      vielen Dank für Deinen Kommentar. der von dir erwähnte Film ist sehr gut! Es wird über die Killing Fields sowie S-21 auch noch postings geben! Ich habe auch mit einigen Familien über diese Zeit gesprochen. Es ist erstaunlich aber auch verständlich, dass Zeitzeugen ungerne über die Erlebnisse in dieser Zeit sprechen auch wenn sie schon lange hier leben. Das gleiche galt auch für eine ganze Generation in Deutschland die den Weltkrieg II miterlebt haben.
      So etwas sollte NIE wieder auf der Welt geschehen und jedoch lernen viele nicht daraus!
      Liebe Grüße Reiner

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