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Die Karen – Bergvölker in Thailand

Die Karen die größte Gruppe der Bergvölker in Thailand

Die Karen, eine Gruppe der Hilltribes, werden im thailändischen Kariang und in Norden dann Yang genannt. Zu den Karen zählen auch die Sgaw und Pow. Zusammen bilden alle die gemeinsame Hauptgruppe, die zur tibeto-burmesischen Sprachgruppe zählt. Die Volksgruppe der Karen wurde in einer Publikation mit 2000 Dörfern und ca. 500.000 Menschen für 2006 angegeben. Somit war und ist diese Gruppe die grösste im Königreich Thailand. Heute dürfte die Anzahl höher liegen. Die Bezeichnung umfasst eine große Anzahl von Minderheiten, die in den sprachlichen Grundlagen Gemeinsamkeiten aufzeigen. Diese Gruppe versteht sich aber selber nicht als ein gemeinsames Volk.

Junge Frau des Bergvolkes Kayan in Thailand

Junge Frau des Bergvolkes Kayan in Thailand

Die Untergruppen der Karen

Man unterteilt die Karen in vier verschiedene Untergruppen:

  1. Skawan Karen – die weißen Karen
  2. Pwo Karen – die   roten Karen
  3. Pa – O die schwarzen Karen
  4. Kayah – sie gehören als Untergruppe zu den roten Karen

Die Siedlungsgebiete der Karen im heutigen Thailand

Die Siedlungsgebiete finden sich im Norden Thailands und an der westlichen Grenze zu Myanmar. Sie reichen von der Provinz Chiang Rai / Chiang Mai über Mae Hong Son über Tak bis hinunter nach Petchaburi im südlichen Thailand

Die Herkunft der Karen

Die genaue Herkunft der Volksgruppe der Karen ist immer noch ein wissenschaftliches Rätsel. Ihre Sprache gibt leider keinen eindeutigen Hinweis auf den Ursprungsort ihrer Wanderung.

Die Karen leben im heutigen Thailand bedingt durch einen Jahre lang andauernden bewaffneten Kampf im heutigen Myanmar. Sie lehnten sich gegen die Regierung in Myanmar auf und es kam zu blutigen Kämpfen. Darauf hin entwickelte sich ein Flüchtlingsstrom in Richtung Thailand und es entstanden sehr viele Flüchtlingslager. Durch die weiträumige Verteilung auf dem Gebiet von Thailand kam es im Laufe der Zeit zu einer sehr unterschiedlichen Ausprägung der Religiosität.

Die Religionen bei den Karen

So findet man Christen, Buddhisten unter den Karen aber viele sind weiterhin mit dem animistischen Glauben verbunden. So glauben sie gerade in den kleineren, abseits gelegenen Dörfern noch an die Naturgeister, die sie täglich umgeben.

In der Schöpfungsgeschichte der Karen finden sich aber dann sehr viele Ähnlichkeiten zum christlichen Glauben. Statt der Schlange findet man bei ihnen den Drachen. Wie Adam und Eva von der Schlange verführt wurden, so werden hier die früheren Karen vom Drachen zur Sünde verführt und in beiden Geschichten kennen wir ja das Ende mit der Vertreibung aus dem Paradies. Zur heutigen Zeit ist aber die größere Anzahl der Karen zum Buddhismus konvertiert.

Genauso wie die Naturgeister verehrt werden besteht auch ein wichtiger Ahnenkult. Durch Tieropfer können die Geister der Natur und der Ahnen besänftigt werden und Verfehlungen und Vergehen aus der Welt geschafft werden. Beliebt und hoch geachtet ist auch das Knochenorakel und wird noch heute in vielen Fällen bedingungslos akzeptiert.

Der Lebensunterhalt der Karen

Diese Gruppe der Bergvölker Thailands bewirtschaftet das Land mit dem Anbau von Nassreis, in den tiefer gelegenen Regionen auch mit Trockenreis. Leider nutzen die Karen auch den Anbau durch Brandrodung. Diese wird aber immer seltener angewandt. Stellenweise findet man kaum Unterschiede zu den thailändischen Bauern. Mais, Chilli und Tabak findet man ebenfalls auf den Anbauflächen.  Hühner, Schweine, Büffel und Elefanten findet man als Nutz- und Arbeitstiere vor. Wild, Früchte und Pflanzen aus dem Dschungel sowie Vögel und Fische bereichern den Speiseplan.

Lebensweise und Kultur

Die Dörfer der Karen liegen, wenn es möglich ist, weit ab von den anderen Ansiedlungen. Wenn ein Dorf durch den Kindersegen zu sehr wächst (mehr als 20-30 Hütten im Dorf) ziehen einige der Familien weiter und gründen ein neues Dorf. Die Karen ziehen aber weit weniger um als andere Bergvölker. Begründet ist dies durch die lange Zeit,  die Karen schon in Thailand leben und damit damit vor allem auch die große Integration der Menschen in das thailändische Staatssystem.

Das Jahr 239 v. Chr. sehen die Karen als den Zeitpunkt ihrer Entstehung an. Wo der genaue Ursprung liegt ist leider nicht überliefert. Es wird nur von einem „Thibi Kawbi“ gesprochen und es gibt wissenschaftliche Vermutungen, die auf Tibet oder die Wüste Gobi deuten.

Stoffe werden selbst gewebt

Die Karen sind hervorragende Weber. In Verbindung mit Stickereien und die Verwendung von Samen und Kernen als Schmuckelemente machen diese Trachten einzigartig. Hier sei auf die folgenden Museen hingewiesen:

  1. Hilltribes Museum, Thanalai, Mueang Chiang Rai District, Chiang Rai 57000, Thailand
  2. Tribal Museum, Chotana Rd, Tambon Chang Phueak, Amphoe Mueang Chiang Mai, Chang Wat Chiang Mai 50300, Thailand
  3. Ancient City, 296/1 Sukhumvit Rd, Bang Pu Mai, Mueang Samut Prakan District, Samut Prakan 10280, Thailand

Leider habe ich alle der oben genannten Museen selber noch nicht besucht. Was nicht ist kann ja noch kommen! 😉

Die historische Oberbekleidung der Frauen, Männer und Kinder ist gleich. Unterschiedlich sind nur die unterschiedliche Länge, Farben und Ausschmückungen. Sie besteht im Grunde einfach aus zwei gewebten Teilen, die oben und an den Seiten zusammengenäht werden. Dabei werden oben eine offene Stelle für den Kopf und zwei an den Seiten für die Arme gelassen. Besonders auffällig ist, dass die Nähte der Stoffe nicht wie bei uns verdeckt und geglättet werden, sondern als Verzierung dazu gehören.

Die Ehe der Karen

Die Ehe wird bei den Karen sehr hoch geschätzt. Man wählt seinen Partner, und seine Partnerin sorgfältig für ein ganzes Leben aus. Scheidungen sind fast gänzlich ausgeschlossen. Bei den zirka 5% Scheidungen ist die Trennung häufig durch den Mann verursacht. Früher durch den Rauschgiftkonsum, heute durch Alkoholismus.

Die Kayan – Padaung

Die jüngste Gruppe der Bergvölker, den Karen zugehörig, sind auch die bekannteste Gruppe. Diese bei uns als Langhalsfrauen bekannte Gruppe wanderte erst Anfang der 90 iger Jahre nach Thailand ein. Gerade um diese Gruppe gibt es viele Anfeindungen der Besucher dieser Dörfer, falsche Interpretationen einiger meist nur rudimentär informierter oder sogar unwissender Touristen. Auffallend sind bei den Mädchen und Frauen die großen und sehr wuchtig wirkenden Messingringe am Hals, an Armen und Beinen.

Die Kayan, Padaung oder Brew, wie sie auch genannt werden, sind durch verlockende Angebote der Tourismusindustrie nach Thailand gekommen. Sicherlich waren dabei der Halsschmuck und die farbenprächtige Kleidung sehr interessant für eine touristische Vermarktung.

Messingringe einer Kayan Frau am Fuss

Messingringe einer Kayan Frau am Fuss

Seit sehr früher Jugend, scheinbar um den Zeitpunkt der ersten Menstruation, tragen die jungen heranwachsenden Frauen diese Messingringe. Erst einen und dem Wachstum entsprechend werden weitere Ringe um den Hals der jungen Frauen gelegt. Die Annahme, dass diese Ringe zwangsweise von den jungen Frauen getragen werden müssen, ist schlichtweg falsch! Viele der jungen Frauen tragen diesen Schmuck voller Stolz. Die Ringe drücken den Schultergürtel auf beiden Seiten herunter. Dadurch wirkt der Hals länger und ergibt so dieses für uns merkwürdige Bild. Medizinisch betrachtet ist diese Verformung weniger schädlich als man glauben möchte.

Durch dieses stetige tragen der Ringe, auch nachts, verkümmert die Schulter- Nackenmuskulatur. Somit sind die Frauen gezwungen diese Ringe ihr ganzes Leben lang ständig zu tragen.

Damit die Ringe nicht scheuern tragen die Frauen unter dem Kinn oftmals ein Stofftuch, das die Feuchtigkeit aufnehmen soll. Die Historie der Kayan berichtet, dass die Kayan Nachfahren eines Schwans sein.

Der Menschenzoo in den thailändischen Bergen

Mit solchen reißerischen Überschriften aus den Medien und die Weiterverbreitung dieser Aussage durch Menschen, die sich in alles und jedes einmischen müssen, wurde der Ruf dieser Showdörfer der Hilltribes geprägt.

Kayan Frau mit ihrer farbenfrohen Tracht und den Messingringen Am Hals, Armen. und an den Beinen

Kayan Frau mit ihrer farbenfrohen Tracht und den Messingringen Am Hals, Armen. und an den Beinen

Das Verwerfliche beginnt am Eingang dieses „Dorfes“! das Eintrittsgeld von den Touristengruppe muss an einer Kasse entrichtet werden. Von diesen Einnahmen sehen die Kayan-Frauen aber nichts. Hinter vorgehaltener Hand wird getuschelt, das Geld ginge an Rebellen nach Myanmar, in die Kassen der thailändischen Tourismusunternehmen oder in die thailändische Staatskasse. Dort sollen angeblich diese Mittel für soziale Projekte hier in den Bergen verwendet werden. Belegt oder vor allem bewiesen oder auch widerlegt wurden nach meinen Recherchen und nach meinem Empfindungen nichts davon.

Menschenzoo der Bergvölker

Menschen, die das als Menschenzoo bezeichnen, sollten aber auch alternativen aufzeigen können. Die touristischen Veranstaltungen hier bei den Bergvölker in Thailand oder in anderen Ländern, historisch oder aktuell, sind für diese Menschen eine Einnahmequelle. Ob in Ägypten, in den Regionen Schwarz-Afrikas, bei den Ureinwohnern Amerikas, Yaps, Papua Neu Guinea oder eben in Thailand habe ich diese Art des Vorzeige-Tourismus erlebt. Fairtrade, wie Kaffeeanbau und Teeanbau,  ist in diesen Bereichen ein Anfang, aber sicherlich nicht das Allheilmittel. Der Gedanke die Welt in einen für alle glückseligen, gleichberechtigten und sozial gerechten Ort zu verwandeln ist einfach eine Utopie.

In dem Buch „Thailand, Bergvölker und Seenomaden“ fand ich folgende Stellungnahme einer Kayan Frau: „Zitat: Mit unserem traditionellen Leben ist es hier (gemeint ist natürlich Thailand) weitgehend vorbei, aber die politischen Zustände in Myanmar sind doch viel weniger zu ertragen. Dort können unsere Kinder nicht mal in eine Schule gehen und wir haben andauernd Probleme mit dem Militär. Hier haben wir einen Beruf und Sicherheit“.

Allgemeine Informationen über die Bergvölker findet Ihr hier:  Die Bergvölker im Norden von Thailand

Resümee:

Liebe Leser meines Blogs, wie immer ist diese Welt nicht schwarz noch weiss. Es gibt unendlich viele Grautöne. Wir sollten nicht vorschnell etwas verurteilen und Wertungen über etwas abgeben, was wir nicht von allen Seiten her betrachtet haben. Manchmal ist es auch besser von einer besserwisserischen Haltung Abstand zu nehmen und einfach den natürlichen Lauf der Geschichte zu akzeptieren und diesem Lauf zu folgen.

Ich freue mich auf Eure Kommentare und vielleicht berichtetet uns der Eine oder Andere seine Meinung über die Karen, die Hilltribes und die Bergdörfer. Gerne würde ich auch mal über einen Trekking-Tourismus, der ökologisch und fair ausgeführt, berichten. Interessierte Unternehmen oder Anbieter können sich gerne bei mir mit einer pn in Verbindung setzen.

Euer Reiner

 

Alle Fotos und Texte unterliegen dem Copyright FOTO-KERNER Reiner Kerner 2018-2019

Sollten Sie Interesse an Fotos oder anderen Medien für Ihre Unternehmungen und Werbezwecke haben, oder einer Kooperation sich vorstellen können, wenden Sie sich bitte per E-Mail direkt an mich.

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6 Kommentare zu “Die Karen – Bergvölker in Thailand

  1. Helmut Neumann

    Hallo Reiner,
    Du beschreibst wirklich, einzigartig, informativ und voller Hingabe, eine komplette andere fremde Welt, gut recherchiert und inhaltlich bestens fundiert.

    Ich selbst, habe diese Bergvölker schon vor 16 Jahren besucht und in meiner Filmsendereihe “ Unter der Sonne Asiens“, im Deutschen Regional Fernsehen Rheinland Pfalz vorgestellt.
    Info: Auf meiner Homepage http://www.7-asonne4.de – zeige ich die Sitten und Riten, der Länder Südostasiens und vieles mehr.

    MfG. Helmut Neumann

    1. Reiner Kerner Autor des Beitrags

      Hallo Helmut,
      hallo Kollege 😉

      vielen, lieben Dank für die netten Worte. 16 Jahre ist eine lange Zeit! Leider hat sich in Südostasien vieles verändert. Nicht immer nur zu Vorteil 🙂 Die Zeit schreitet aber unaufhaltsam voran. Die neusten Tourismuszahlen lassen mich (62 Jahre) ergrauen. Wenn ich an meine Reisen und Filmberichte aus Galapagos, Mikronesien und vor allem Papua Neuguinea denke wäre ich schon neugierig wie es dort heute ausschaut. Ich war 1980 das erste mal in Taiwan und wenn ich heute die Fotos und berichte lese…. Meine Heimat wird aber in ein bis zwei Jahren aber Südostasien werden und ich freue mich schon darauf.

      Liebe Grüße

      Reiner

  2. Manfred Spies

    Lieber Reiner,
    wie immer ein sehr informativer, weil umfangreich recherchierter Artikel. Sei nicht traurig, wenn deine Texte und Bilder nicht massenhaft gesehen werden, weil sie zu anspruchsvoll sind und nicht in einen touristischen Mainstream passen.
    In meiner kleinen FB-Gruppe „Thailand – Kultur und Kommunikation“ werde ich das wieder teilen.

    Grüße von Manfred

    1. Reiner Kerner Autor des Beitrags

      Lieber Manfred,
      vielen Dank für die freundschaftliche Unterstützung! Ich bin nicht traurig denn ich weiss, dass viele Themen die mir auf dem Herzen liegen nicht alle Menschen interessieren können. Sei es aus Desinteresse oder auch weil bei manchen Steintischurlaubern der Horizont nicht ausreicht. Was mich allerdings traurig macht wieviele dumme, unpassende, hole Kommentare von Menschen kommen, die mich nicht persönlich kennen und somit auch nicht wissen was ich im Leben schon auf meinen Reisen erlebt, fotografiert, gefilmt und natürlich gemacht habe. Einfach nur sein Dummgeschwätz auf FB loswerden weil ein anderer Mensch mal einen Fehler gemacht hat finde ich das Letzte.

      Ich werde aber weiterschreiben und bei dem Schatz an Bildern, Geschichten und Erlebnissen müsste es bis zum Lebensende reichen und es kommen ja immer wieder dazu.

      Dir schöne Pfingstfeiertage und eine gesunde Zeit!

      Ganz liebe Grüße
      Reiner

      1. Manfred Spies

        Kennst du Bastian Sick? Er hat natürlich als Buchautor und im TV und auf den Bühnen tätig einen hohen Anspruch an die Sprache. Er schrieb mir warnend: „Meiden Sie Internet-Foren jeglicher Art, die dortigen Umgangs- und Ausdrucksformen sind oft „unter aller Kanone“, was in der Regel auf eine mangelnde Bildung schließen lässt….“
        Und Harald Schmidt hat gesagt, als seine Einschaltquoten sanken: „Ich muss damit leben, dass die Mehrheit in Deutschland nicht mein Niveau hat.“ Hahaha, das nur zum Trost und schönes Wochenende.

        Ich kümmere mich übrigens gerade wegen mehrerer unveröffentlichter Bücher und Bildbände um eine eBook-Veröffentlichung. Hast du mal daran gedacht?

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