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Foto- und Reiseblog

Prähistorische Funde im heutigen Thailand

Die prähistorische- und vorbuddhistische Zeit im Gebiet des heutigen Thailands

Was geschah eigentlich in dem Gebiet des heutigen Thailands in der prähistorischen und vorbuddhistischen Zeit? Gibt es darüber Aufzeichnungen, Funde aus der prähistorischen Zeit und wo waren die Orte des Geschehens? Fragen, die mir schon des Öfteren gestellt wurden und die mich natürlich neugierig machten! So befragte ich also meinen Bücherschrank, ob er mir nicht bei dieser Fragestellung weiterhelfen könnte…

 

Die prähistorische- und vorbuddhistische Zeit

Relativ spät in der Geschichte der Neuzeit setzte erst das Interesse und die Suche nach der geheimnisvollen Vergangenheit der Menschen auf dem Gebiet des heutigen Thailands bis hin zur frühsten vorgeschichtlichen Zeit ein. 

Modell der prähistorischen Lebensweise im Gebiet Thailands
Modell der prähistorischen Lebensweise im Gebiet Thailands

 

Grabungen bestätigen Siedlungsformen und Funde von Relikten stammen aus der ersten Ackerbau-Periode und der Bronzezeit. Dabei war es die Fundstättendatierung, die auf die Zeit um 3000 v. Chr. hindeutete. Es waren Funde, die Aufschluss gaben auf die Metallurgie und die fortschreitende Entwicklung der Regionen.

Wer weitere Informationen sucht: Die Geschichte Thailands Teil 1

Die Fundstätten der frühesten archäologischen Funde

Bronzezeitliche Fundstätten liegen in Nom Nok (Provinz Khon Kaen) und Ban Cieng (Provinz Udon Thani).
Weitere Funde aus prähistorischer Zeit wurden auf alten Strandgebieten in den Provinzen Nakhon Si Thamnarat, Surat Thani (Chaiya) und Song Khla oder Singora (Satin Pra und Pan Yang) entdeckt.

Der Beginn der wissenschaftlichen Erforschung

Wie schon am Anfang meines Berichtes erwähnt begann das Interesse an der wissenschaftlichen Aufarbeitung der historischen Frühgeschichte relativ spät in Thailand.
In den Jahren 1922 – 1924 entdeckten Arthur Francis George Kerr (*1877 – †1942), ein irischer Arzt und Forscher über die Botanik in Thailand – und der britische Ethnograf und Anthropologe Ivor Hugh Norman Evans (*1886 † 1957) Wandmalereien im Nordosten, beziehungsweise geschliffene Steinbeile im südlichen Thailand.

Felsenmalerei Khao Chawn Nang - Nakohon Phanom nach A. Kerr vom Autor
Felsenmalerei Khao Chawn Nang – Nakohon Phanom nach A. Kerr vom Autor erstellt

 

Spätere Funde aus dem Jahr 1927 gaben Anlass zu einer Theorie der vorgeschichtlichen Wanderung der Menschen von Süd nach Nord. Diese konnte aber so nicht endgültig bewiesen werden, jedenfalls damals noch nicht.

A.F.G. Kerr entdeckte im Jahr 1930 weitere bedeutende Funde in einer Höhle in Surat Thani. Hier fand man unter Anderem einen Becher aus gebranntem Ton. Diesen Becher, der zur Schnurkeramik zugerechnet wurde, hat man damals auf die Zeit des Neolithikum datiert. (Jungsteinzeit 9500 v.Chr.)

Eine weitere bedeutende Entdeckung wurde in den Jahren des 2. Weltkrieges gemacht. Beim Bau der Siam-Burma-Eisenbahn fand man in Ban Kao, in der Provinz Kanchanaburi, in Höhlen steinzeitliche Werkzeuge und Keramiken.

Sehr spät, erst 1955, wurde die Phrähistorik in den Lehrplan der archäologischen Fakultät der Universität Silpakorn in Bangkok aufgenommen.

Der Glücksfund von Ban Chiang

Einem ganz besonderen Zufall ist der prähistorische Fund im Jahr 1966 Steve Young von Ban Chiang zu verdanken! Man kann es wirklich nur als Glücksfall für die prähistorische Geschichte Thailands bezeichnen, dass der Sohn eines ehemaligen US-Botschafters über eine Wurzel des Kapok-Baumes (Ceiba pentandra) stolperte. Er war eigentlich in dieser Region unterwegs um soziologische Forschungen durchzuführen. Durch diesen Sturz fiel ihm, direkt vor seiner Nase, ein ringförmiges Gebilde aus Keramik auf. Er begann zu graben und der Fund entpuppte sich als Rest eines Tongefäßes. Bei seiner genaueren Betrachtung entdeckte Young immer mehr Scherben, die aus dem Boden durch Erosion zum Vorschein traten. Auffällig waren auch, die Scherben waren unglasiert, von gelbbrauner Farbe und mit rötlichen Mustern versehen. Das alles sprach für ein sehr hohes Alter.

Skelett mit Keramik-Funden in Ban Chiang

Skelett mit Keramik-Funden in Ban Chiang (Foto von Markus Hagedorn)

Nach seiner Meldung dieses Fundes ließ das thailändische zuständige Ministerium Probegrabungen durchführen, die noch mehr prähistorische Funde zutage brachten. Man fand neben den Tonscherben, Bronze Artefakte und Steinwerkzeuge. Aufgrund von Tests in der Universität von Pennsylvania mit der Thermolumineszenzdatierung wurde ein Alter der Fundstücke von etwa 6000 Jahren bestätigt. 

Model der Ausgrabung prähistorischer Funde in Ban Chiang

Modell der Ausgrabung prähistorischer Funde –  im Museum Ban Chiang   ( Foto Markus Hagedorn)

Durch die Bekanntgabe dieser Funde entstand ein riesiger Ansturm von Wildgräbern aus der Region um Ban Chiang, die dann unzählige und wertvolle Fundstücke an Amerikaner aus dem nahen bei Udon gelegenen Militärstützpunkt für wenig Geld veräußerten. 

Die thailändische Regierung verbot den privaten Handel mit Kunstschätzen

Im Juli 1972 wurde dieser private Handel von thailändischen Kunstschätzen durch die thailändische Regierung verboten. Es wurde angeordnet alle vorhandenen Fundstücke aus Ban Chiang zu registrieren. So wurden mehr als 8000 Fundstücke aufgenommen.  Wieviele nicht gemeldet wurden und am Staat vorbei aus dem Land geschmuggelt wurden kann niemand genau feststellen. Durch diese enorme Anzahl kamen Archäologen zu dem Schluß, dass es sich bei den Funden auf dem Gebiet von Ban Chiang um einen historischen Friedhof gehandelt haben muß.

Erst 2014 gaben die Amerikaner aus dem Bowers Museum in Santa Ana – Kalifornien 557 geschmuggelte und nicht registrierte wertvolle historische Keramiktöpfe dem thailändischem Volk zurück. Vermutlich stammen viele davon aus Ban Chiang.

Das National Museum Ban Chiang

Wer das Museum in Ban Chiang selber einmal besuchen möchte findet hier Informationen:

Nationalmuseum Ban Chiang

Wichtig sei auch der Hinweis für Besucher, dass die Ausfuhr von historischen Gegenständen aus Thailand verboten ist und mit sehr hohen finanziellen und auch mit Gefängnisstrafen geahndet wird. Eine legale Ausfuhr ist nur mit den Dokumenten und mit Genehmigung des Fine Arts Department erlaubt. Gerade in Ban Chiang wird in dieser Hinsicht sehr viel angeboten. Solltet Ihr ein Mitbringsel aus dem Urlaub mitbringen wollen beachtet bitte die Beschränkungen!

Die prähistorischen Funde aus Keramik

Die Spiral- und Bandornamentik auf den Tongefäßen des oben genannten vermuteten Friedhofs gibt den Hinweis, dass es sich bei den Keramikfunden nicht um Gebrauchskeramik handelt, sondern eher die Zuweisung in den Bereich der Grabbeigaben für den Südostasiatischen Raum  zeigt. Die hervorstechende Qualität der Ausführung ist ein Beweis für die hohe Kultur in diesem prähistorischen Zeitraum.

Keramikwaren im Nationl Museum Ban Chiang

Keramikwaren im Nationl Museum Ban Chiang ( Quelle © National Museum Ban Chiang )

Man unterscheidet 3 unterschiedliche Zeitperioden bei den Keramikfunden:

1. Phase – 3800 -2500 v. Chr.
Phase der Fingerbemalung
Auf der Keramik sind die Malereien in Schwarz mit den Fingern ausgeführt und es gibt Schmuckbänder zwischen den Linien.

2. Phase – 2500 – 2000 v. Chr.
Hier ist die Dekoration eine vollständige Bemalung der Keramik mit unterschiedlichen Mustern.

3. Phase – 2000 – 1000 v. Chr.
Spiralen bilden in diesem Zeitraum neben stilisierten Menschen und Tierabbildungen die Bemalung.

In dem Zeitraum um 400 v. Chr wurde Ban Chiang aus ungeklärten Gründen vermutlich aufgegeben, da es bisher keine jüngeren prähistorischen Funde von Keramikwaren mehr gibt.

Seit 1992 ist Ban Chiang in die Liste der UNESCO als Weltkulturerbe aufgenommen worden.

Ein spezielles Gebiet der prähistorischen Funde – die Höhlenmalerei

Wenig Beachtung schenkte man am Anfang den prähistorischen Funden von Höhlenmalereien. So kam es auch, dass einige sehr wertvolle Abbildungen von Besuchern durch Übermalungen mit eigenen neuzeitlichen Graffitis unwiederbringbar zerstört wurden. Durch dieses Handeln und die Nichtwürdigung der Abbildungen sind von den zerstörten Malereien auch keine dokumentarischen Abbildungen vorhanden und für die Geschichtsforschung für immer zerstört.

Wie schon oben beschrieben forschte A. F. G. Kerr im Südosten der Stadt Mukdahan in Nordostthailand. Hier befindet sich ein Bergrücken an, dem sich eine überhängende Felswand befindet. Hier entdeckte Kerr mehrere Abbildungen von roten Hand-Negativen und Hand-Positiven. Menschliche Darstellungen im westlichen Wandbereich und auch in einer Höhe von zirka 5 Metern erregten in der Wissenschaft großes Aufsehen. Es gab keinerlei Legenden oder Sagen, in denen diese Abbildungen vorkamen, die jedoch von einheimischen Anwohnern schon lange Zeit über Generationen hinweg bekannt waren.

Machen wir einen Zeitsprung in den Zeitraum um 1960 – 1962. Im Gebiet Westthailands wurde eine weitere Höhle mit Zeichnungen entdeckt. Die „Tham Roob“ oder auch „Picture Cave“ benannte Höhle liegt mit einem auch mit Malereien verzierten Überhang am Khao Kiew im oberen Lauf vom Mae Nam Kwae Noi (River Kwai) in der Provinz Kanchanaburi. Hier wurden Tier- und Menschendarstellungen, aber auch bis heute nicht klar gedeutete abstrakte Muster gefunden. Auch hier sind die Abbildungen schon sehr lange bei den Thailändern bekannt.  Die Malereien werden als prähistorisch eingestuft und zeigen Schildkröten, Elefanten und Reptilien.

Die Höhlenmalereien – Phang Nga

In den Jahren ab 1970 wurden einige Höhlen oder Überhänge mit Malereien im Raum der Provinz Phang Nga sozusagen wiederentdeckt. Hierzu zählt auch die Höhle oder besser der Überhang nahe dem Fischerdorf Ko Panyi, der heute unter Touristen sehr bekannt ist. 

Bergkette in der Nähe des Dorfes

Bergkette Khao Kian mit Felsenmalerei

Die Malereien wurden 1912 von einem Forscher namens Lajonquière entdeckt. Mit einer Länge von mehr als 3 Metern sind die bräunlichen Malereien nur mit dem Boot erreichbar. Die Figuren und geometrischen Zeichnungen sind schon jetzt stark verblasst und werden vermutlich durch den Einfluß der Witterung bald vollständig verblasst sein.

Khao Kian Felsenmalereien

Khao Kian Felsenmalereien

Wenn ich mir so diese Malereien betrachte kommen mir immer wieder die Gedanken über die Ausführungen von Erich von Däniken auf. Der Schweizer Buchautor hat in den 60iger und 70iger Jahren des 20. Jahrhunderts unter anderem auch die  pseudowissenschaftliche Prä-Astronautik einem breiten Lesepublikum durch seine Bücher und deren Verfilmungen bekannt gemacht. Wer die nächste Zeichnung näher betrachtet wird sicherlich wie Daniken einen prähistorischen Raumfahrer darin entdecken oder wie ich als Taucher denken, der einen phrähistorischen Helmtaucher zu sehen glaubt 🙂

Felsenzeichnung am Khao Kien nach Heinrich Kusch 1975 vom Autor gezeichnet

Felsenzeichnung am Khao Kien nach Heinrich Kusch 1975 vom Autor dieses Postings gezeichnet

Da in diesem Gebiet noch weitere Fundstätten existieren, die in den Felsen und Höhlungen weitere Malereien aufweisen, ist anzunehmen, dass im Khao Kien weitere Höhlen mit Zeichnungen entdeckt werden.

Es wurden auch weitere Malereien in Höhlen auf Ko Phi Phi, südlich von Phuket gefunden. 

Schlussbemerkung zu den prähistorischen Funden in Thailand

Die prähistorischen Funde im heutigen Thailand bieten ein spannendes Feld für Archäologen und Interessierte. Mir fiel es schwer an verständliche Informationen zu kommen, da dieses scheinbar nicht so häufig publiziert wird. Fest steht, es wird in Zukunft noch weitere, spannende phrähistorische Funde auf dem Gebiet des heutigen Thailands und den angrenzenden Ländern geben.

Ein ganz besonderer Dank gilt Markus Hagedorn, der mir einige Fotografien aus dem Museum in Ban Chiang zu Nachbearbeitung und zur Veröffentlichung dieses Beitrages zur Verfügung gestellt hat.

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Ein Kommentar zu “Prähistorische Funde im heutigen Thailand

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